Neapel Darsteller aus Mafiafilm von "Baby Gang" attackiert

Im Film war er Tyson, der aufstrebende Jungkriminelle in den Hinterhöfen Neapels. Jetzt wurde Artem Tkachuk von ganz realen Babygangstern angegriffen - und mit einem Messer verletzt.

Schauspieler Artem Tkachuk bei der Präsentation des Films "Piranhas" in Berlin
AFP

Schauspieler Artem Tkachuk bei der Präsentation des Films "Piranhas" in Berlin


Viel Lob bekam der heute 18-jährige Artem Tkachuk für seine Darstellung des Tyson in der Verfilmung von Roberto Savianos Bestselleroman "Der Clan der Kinder". In Berlin gewann das Filmdrama "Piranhas" von Claudio Giovannesi den Silbernen Bären für das beste Drehbuch. Erzählt wird die Geschichte marodierender Jugendbanden in Neapel.

Jetzt ist der junge Schauspieler selbst Opfer der sogenannten Baby Gangs geworden. In Begleitung eines Bekannten wurde er in der Nacht zum Sonntag von einer Gruppe Jugendlicher mit Fußtritten und Schlägen traktiert und mit einem Messer an der Hüfte verletzt.

Tkachuk wurde ins Krankenhaus gebracht, wo er die kommenden drei Wochen bleiben soll. Sein 21-jähriger Begleiter wurde leicht verletzt, er konnte bereits nach Hause gehen. Die Polizei geht davon aus, dass Tkachuk wegen seiner Rolle in dem Mafiastreifen angegriffen wurde. Darin spielt er einen von mehreren schießwütigen jugendlichen Drogenhändlern.

Artem Tkachuk (l.) im Februar auf der Berlinale
AFP

Artem Tkachuk (l.) im Februar auf der Berlinale

Der Schauspieler selbst sagte der Tageszeitung "Repubblica": "Ich habe keine Ahnung, warum sie es auf mich abgesehen hatten." Er kenne keinen der etwa 15 Angreifer, "vielleicht haben sie mich verwechselt". Er sei niemand, der sich schnell provozieren lasse oder sich in Streitereien einmische. "Ich begebe mich nicht auf das Niveau dieser Leute." Solche Übergriffe kämen nun mal vor, so der 18-Jährige. "So ist das Leben. Niemand ist wirklich sicher."

Tkachuk wurde in der Ukraine geboren, wuchs aber in der Hauptstadt der italienischen Region Kampanien auf. Laut eigener Aussage fühlt er sich als Neapolitaner.

Regisseur Claudio Giovannesi (r.) und Autor Roberto Saviano (l.) posieren mit dem Silbernen Bären für ihr Drehbuch
AFP

Regisseur Claudio Giovannesi (r.) und Autor Roberto Saviano (l.) posieren mit dem Silbernen Bären für ihr Drehbuch

Laut Angaben der Nationalen Beobachtungsstelle für Kindheit und Jugend gehören 6,5 Prozent der Jugendlichen in der Camorra-Hochburg Neapel zu kriminellen Gruppen.

Italiens rechtsradikale Regierungspartei Lega unterstützt einen Gesetzentwurf, der das Phänomen der Baby Gangs angehen soll und das Alter für Straffähigkeit von 14 auf zwölf herabsetzen würde - eine seit geraumer Zeit diskutierte Maßnahme, die Experten als wenig sinnvoll einschätzen.

"Sämtliche Studien der vergangenen Jahre zeigen, dass eine Null-Toleranz-Strategie kaum Erfolg bringt und lediglich enorme Kosten verursacht", sagt der Soziologe Fabio Armao von der Universität Turin. Lesen Sie hier mehr über das Thema:

ala



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