Neubrandenburg Prozess gegen früheren SS-Sanitäter steht vor dem Aus

Ihm wird Beihilfe zum Mord in 3681 Fällen vorgeworfen: Der Prozess gegen einen früheren SS-Sanitäter soll eingestellt werden. Die Staatsanwaltschaft sieht sich verpflichtet, das Prozessende zu beantragen.

Der ehemalige SS-Santitäter vor Gericht (Archiv)
DPA

Der ehemalige SS-Santitäter vor Gericht (Archiv)


Die Staatsanwaltschaft Schwerin hat am Landgericht beantragt, das Verfahren gegen einen ehemaligen SS-Sanitäter aus der Nähe von Neubrandenburg einzustellen. Der 96-Jährige sei wegen Demenz auf Dauer verhandlungsunfähig, erklärte ein Sprecher der Anklagebehörde. Deshalb sei die Staatsanwaltschaft rechtlich verpflichtet, das Ende des Prozesses zu beantragen.

Die Demenz-Erkrankung des Mannes habe einen Grad erreicht, der es ihm nicht mehr erlaube, seine Interessen wahrzunehmen und Prozesserklärungen "in verständiger und verständlicher Weise" entgegenzunehmen oder abzugeben. Der Sprecher der Staatsanwaltschaft in Mecklenburg-Vorpommern verwies auf ein psychiatrisches Gutachten vom März sowie auf im Juli eingeholte Stellungnahmen von Sachverständigen auf Antrag der Staatsanwaltschaft und der Nebenkläger.

Der 96-Jährige wird beschuldigt, Beihilfe zum Mord in 3681 Fällen geleistet zu haben. Er war 1944 einen Monat im KZ Auschwitz-Birkenau als SS-Sanitäter tätig - nach Angaben seiner Verteidigung in der Betreuung von KZ-Personal. In der Zeit wurden mindestens 3681 Menschen aus Deportationszügen unmittelbar in Gaskammern umgebracht. Die Anklage wirft dem 96-Jährigen vor, sich in die Lagerorganisation eingefügt und so die Vernichtung von Leben befördert zu haben.

Der Prozess gegen Z. kam nach einem ersten Hauptverhandlungstermin Ende Februar 2016 nie über die Verlesung der Anklageschrift hinaus. Zahlreiche Anträge um die Verhandlungsfähigkeit des Angeklagten oder aber die Unbefangenheit der Richter zu überprüfen, prägten das immer wieder ausgesetzte Verfahren.

asc/dpa/AFP



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