Neue Vorwürfe Belgischer Kardinal wollte Missbrauchsskandal vertuschen

Das frühere Oberhaupt der katholischen Kirche in Belgien, der Kardinal Godfried Danneels, soll versucht haben, den Missbrauchsskandal um den Bischof Roger Vangheluwe zu vertuschen.


Brüssel/Hamburg - Die Tageszeitungen "De Standaard" und "Het Nieuwsblad" veröffentlichten am Wochenende die Abschrift einer Aufnahme, die das Missbrauchsopfer angefertigt hatte. Dieses hatte Vangheluwe demnach Anfang April in Anwesenheit von Danneels mit den Missbrauchsvorwürfen konfrontiert.

Vangheluwe, Bischof von Brügge und dienstältester Bischof des Landes, hatte Ende April öffentlich gestanden, dass er vor und nach seiner Berufung 1985 einen namentlich nicht genannten Jungen sexuell missbraucht hatte. Sein Rücktrittsgesuch nahm Papst Benedikt XVI. umgehend an.

Vangheluwe war der erste Bischof, der offiziell wegen selbst begangenem Kindesmissbrauch zurücktrat, seitdem der Missbrauchsskandal die katholische Kirche in Europa und den USA erschüttert. Der 73-Jährige war bereits damals dem Vorwurf entgegengetreten, er habe den Missbrauch vertuschen wollen.

Der am Samstag veröffentlichten Gesprächsabschrift zufolge soll Danneels versucht haben, das Opfer zu überzeugen, sich mit einer Entschuldigung zu begnügen - oder den Vorfall zumindest nicht publik zu machen, bevor sich Vangheluwe ein Jahr später von seinem Amt zurückziehen würde. "Es wäre vielleicht besser, wenn wir ein Datum im nächsten Jahr abwarten", soll er demnach gesagt haben. "Wir können auch, wie ich es dir bereits gesagt habe, um Vergebung bitten und Vergebung erteilen." Es gebe einen "großen Unterschied" zwischen "öffentlichen und privaten" Strafen. Der Sprecher des Kardinals bekräftigte dagegen in "De Standaard", Danneels habe "nie versucht, die Affäre zu unterdrücken."

tdo/AFP



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