Fehlgeleitete Umweltliebe Neuseeländer soll mit Vergiftung von Babynahrung gedroht haben

Ein Mann aus Neuseeland wollte die Verwendung eines Schädlingsbekämpfungsmittels stoppen. Deshalb soll er gedroht haben, Babynahrung mit der Substanz zu vergiften. Jetzt wurde er festgenommen - und könnte lange in Haft kommen.


Aus Liebe zur Natur soll ein Mann in Neuseeland gedroht haben, Babynahrung mit dem Schädlingsbekämpfungsmittel Natriumfluoracetat zu versetzen. Jetzt wurde der 60-Jährige in Auckland festgenommen, teilte die Polizei mit. Er soll in Erpresserbriefen verlangt haben, den Einsatz der Chemikalie, umgangssprachlich "1080" genannt, in der Natur zu stoppen.

Den Behörden zufolge waren 35 Beamte an den Ermittlungen beteiligt; die Kosten dafür beliefen sich auf mehrere Millionen Dollar. "Das zeigt, wie ernst wir Verbrechen dieser Art nehmen", sagte Polizeichef Mike Bush. Der Festgenommene stelle für die Öffentlichkeit keine Gefahr mehr dar.

Der 60-Jährige wurde wegen Erpressung in zwei Fällen angeklagt. Bei einer Verurteilung könnte er in jedem Anklagepunkt zu maximal 14 Jahren Haft verurteilt werden.

Der Milchprodukte-Exporteur Fonterra und die Organisation Federated Farmers hatten im vergangenen November die anonymen Schreiben erhalten. Darin hieß es, man solle spätestens im März 2015 aufhören, Nager und andere Schädlinge mit "1080" zu töten - andernfalls werde Babynahrung in Supermärkten mit Gift vermischt.

Die Gesundheitsbehörden und Hersteller veranlassten mehr als hunderttausend Tests, um Verunreinigungen der Babynahrung auszuschließen. Supermärkte hielten ihre Bestände an Babynahrung unter Verschluss und verkauften sie wie Zigaretten nur noch direkt an der Kasse. Es wurde aber nie ein vergiftetes Produkt entdeckt.

Von Juli 2014 bis Juni 2015 hat Neuseeland Milchprodukte im Wert von 7,6 Milliarden US-Dollar exportiert. Damit waren sie der wichtigste Exportartikel des Landes. Kunden - beispielweise in China - schätzen neuseeländische Milchprodukte aufgrund der hohen Qualität. Schon Gerüchte über eine mögliche Verunreinigung oder Giftbeimischung könnten diesen Ruf schädigen, hatten Hersteller und die neuseeländische Regierung befürchtet.

ulz/dpa/AP



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