Mutmaßliche Vergewaltigungen Neuseeland empört sich über "Roast Busters"

Sie rühmten sich auf Facebook wegen Sex mit betrunkenen Mädchen - und werden nun der Vergewaltigung beschuldigt: Eine Gruppe Jugendlicher sorgt in Neuseeland für Empörung, der Premierminister nennt die Kommentare der Teenager "widerlich". Doch die Polizei ist machtlos.


Hamburg - In Neuseeland haben mehrere Jugendliche Empörung ausgelöst, weil sie auf einer Facebook-Seite damit prahlten, Geschlechtsverkehr mit betrunkenen und teilweise minderjährigen Mädchen gehabt zu haben. Unter dem Namen "Roast Busters" wollten die Teenager aus der Stadt Auckland sogar weitere Mitglieder für ihre Gruppe anwerben.

Öffentlich wurde der Fall am Wochenende durch einen Bericht des TV-Senders 3 News. Zitiert wurde auch eine anonyme Betroffene: "Ich verlor immer wieder das Bewusstsein, weil ich zu viel getrunken hatte. Man kann sagen, dass ich vergewaltigt wurde. Ich hatte Sex mit drei Jungs auf einmal."

Die Polizei bestätigte, dass sie bereits im Dezember 2011 auf einen Fall hingewiesen worden sei. Seither habe man mehrere Mädchen befragt und die Online-Aktivitäten der Gruppe beobachtet, aber für eine Anklage habe die Beweislage nicht ausgereicht - offenbar auch, weil Betroffene aus Scham vor einer Anzeige zurückschrecken. Ob es auch in jüngster Vergangenheit zu Vorfällen kam, ist unklar.

"Wir würden gerne etwas für die Mädchen tun und auch für Mädchen, die in Zukunft zu Opfern werden könnten", wird ein Ermittler bei 3 News zitiert. "Aber ohne Beweise sind uns die Hände gebunden." Die Facebook-Seite sei moralisch verwerflich, aber nicht kriminell.

Das Facebook-Profil wurde inzwischen entfernt, doch die öffentliche Debatte reißt nicht ab. Premierminister John Key nannte die Online-Kommentare der Gruppe "extrem verstörend und widerlich." Für viele Neuseeländer ist es unverständlich, dass die Polizei nicht gegen die Jugendlichen vorgeht.

"Wir sind nicht in der Lage, etwas zu unternehmen"

Einer der "Roast Busters" ist der Sohn eines Polizeibeamten, ein anderer soll der Sohn eines bekannten Schauspielers sein. Schnell musste sich die Polizei den Vorwurf gefallen lassen, wegen der Verwandtschaftsverhältnisse von einem härteren Vorgehen abzusehen. Die Ermittler weisen das entschieden zurück.

Wie viele Jugendliche den "Roast Busters" angehören, ist nicht klar. Offenbar haben sich einige schon vor Monaten von der Gruppe distanziert. Wie hoch der Organisationsgrad war, ist ebenso schwer zu beurteilen wie die Frage, wie viel Wahres hinter den Prahlereien im Internet steckt. Schulfreundinnen verteidigten die "Roast Busters" öffentlich im Fernsehen. Die Jungs hätten Fehler gemacht, aber sie seien keine Vergewaltiger.

Der zuständige Polizeichef Bill Searle bestätigte dem US-Sender CNN, dass am Montag zwei Jugendliche erneut befragt worden seien. Bei ihnen soll es sich um die Anführer der Gruppe handeln. "Aber wir sind nach wie vor nicht in der Lage, etwas unternehmen zu können", sagte Searle.

Als die mutmaßlichen Taten geschahen, seien die Jugendlichen noch zur Schule gegangen, so der Ermittler. Inzwischen hätten sie einen Abschluss gemacht. Einer habe nach der Enthüllung seinen Job verloren, berichtet 3 News.

Im Internet wird zur Selbstjustiz aufgerufen

Die Öffentlichkeit des Internets, das die Teenager für ihre Prahlereien nutzten, wird nun für sie selbst zur Gefahr. User rufen in Foren und Kommentarspalten zu Selbstjustiz auf, es kursieren Anschriften und Fotos der Jugendlichen im Netz. Die Polizei warnte vor Selbstjustiz. Wenn nötig, würde man die Jugendlichen unter Polizeischutz stellen.

Die Ermittler rufen mögliche Betroffene weiterhin auf, Anzeige zu erstatten. "Wir wissen, dass es schwer für die Betroffenen ist, den nächsten Schritt zu gehen", sagte Searle zu 3 News. "Wenn sie bereit sind auszusagen, werden wir mit ihnen zusammenarbeiten."

Am Mittwoch veröffentlichte 3 News ein Video, in dem eine heute 15-Jährige behauptet, ihre Vorwürfe seien von der Polizei nicht ernst genommen worden. Mindestens zwei 13-Jährige hätten der Polizei 2011 von mutmaßlichen Vergewaltigungen berichtet, heißt es beim Sender.

Man habe eine Anzeige im Dezember 2011 gründlich geprüft, heißt es dazu in einer Mitteilung der Polizei. Es sei damals entschieden worden, dass die Beweise in dem Fall nicht für eine Strafverfolgung ausreichten. Die Angaben des Mädchens seien aber immer noch ein Teil der laufenden Ermittlungen. Sollte sich der Verdacht durch neue Beweise erhärten, werde man die Entscheidung vom Dezember 2011 noch einmal überprüfen.

hut



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