Festnahme von verfeindeten Bandenmitgliedern Gangs of New York

Bei einem Großeinsatz haben Ermittler in New York Dutzende Mitglieder rivalisierender Banden festgenommen. Die Verdächtigen sollen in der Bronx gedealt und sich bis aufs Blut bekämpft haben.

Die Eastchester-Siedlung in der Bronx
Google Street View

Die Eastchester-Siedlung in der Bronx


Sie warten vor Schulen und auf Spielplätzen auf ihre Kunden, übergeben die Drogen unter U-Bahn-Brücken und in Parks. Marihuana, Crack, Kokain, Schmerzmittel. Ihre Waffen verstecken sie dabei im Gebüsch, in leerstehenden Wohnungen in der Nähe, in ihren Autos. Um ihre Ware zu verteidigen. Und ihr Revier.

Seit fast einem Jahrzehnt bekriegen sich die rivalisierenden Gangs Big Money Bosses (BMB) und 2Fly YGz im Norden der Bronx. Bei den BMB handelt es sich um eine Splittergruppe der stadtweit agierenden Young Bosses. Die 2Fly stammen der nationalen Bande Young Gunnaz ab. Gemein haben beide: Die meisten Mitglieder sind Anfang oder Mitte 20, die meisten sind junge Männer, die auf Spitznamen wie Mad Dog, Gritty oder K-Murda hören. Es geht um Rivalitäten beim Drogenverkauf, die Verteidigung der Ehre und um Macht.

Die New Yorker Staatsanwaltschaft wirft beiden Seiten Dutzende Gewaltverbrechen vor. "Der langjährige Bandenkrieg zwischen 2Fly und BMB im Norden der Bronx hat zu einer enormen Zahl tödlicher und nicht tödlicher Gewalt zwischen 2007 und heute geführt", schreibt Manhattans Staatsanwalt Preet Bharara in einer Mitteilung.

Staatsanwalt Preet Bharara
AFP

Staatsanwalt Preet Bharara

Die Treiben der Banden habe "Chaos und Verwüstung in die Straßen New Yorks" gebracht, so Bharara. Die Gangs seien für mindestens acht Morde verantwortlich. Unter den Opfern sind demnach auch Unbeteiligte. 2009 wurde beispielsweise die 92 Jahre alte Sadie S. in ihrer Wohnung erschossen. Die Kugel stammte aus der Waffe eines BMB-Mitglieds, ein Querschläger, der durchs Fenster im ersten Stock schoss und die alte Frau im Rücken traf. Ein Jahr später wurde ein 15-Jähriger auf offener Straße von BMB-Mitgliedern erstochen.

Bandenkriege in der Bronx
Karte: Mapbox, Kartendaten © OpenStreetMap-Mitwirkende (ODbL)
2 Fly YGz
Big Money Bosses
Slut Gang
Quelle: New York Times

Die Banden hätten die Nachbarschaft "terrorisiert", "vergiftet", "geplagt", heißt es in der Mitteilung. Rund 120 Gangmitglieder hatten die Ermittler im Visier, die eine Hälfte gehört den 2Fly an, die andere BMB. Die Vorwürfe: Drogenhandel, Raub, versuchter Mord, Mord.

Die amerikanischen Behörden sprechen vom "größten Einsatz in der Geschichte New Yorks". Es scheint sich tatsächlich um eine gigantische Operation gehandelt zu haben. 700 Beamte, darunter Vertreter von Bundesbehörden, waren im Einsatz. 90 Verdächtige wurden bereits festgenommen, nach dem Rest wird gefahndet. Bei Razzien stellten die Ermittler Waffen, Munition, Drogen, Bargeld, Skalpelle und Messer sicher.

Auf Social-Media-Kanälen mit Taten geprahlt

In den vergangenen Jahren ist die Zahl der Mordfälle und Tötungsdelikte in der Stadt laut "New York Times" im Durchschnitt gefallen. Doch in manchen Ecken in der Bronx und auch Brooklyn steigen die Zahlen - wieder. "Die Gangs von New York machen ihre Geschäfte wieder unter freiem Himmel", sagt Special Agent James Hunt von der US-Drogenfahndung. Und dabei kam es offenbar vermehrt zu Auseinandersetzungen zwischen den beiden Gangs.

Eastchester Gardens
REUTERS

Eastchester Gardens

Allein zwischen 2013 und 2014 hat sich die Zahl der Tötungsdelikte dem Blatt zufolge im Norden der Bronx verdoppelt. Vor allem die Eastchester Gardens (ECG) sei die Gewalt eskaliert, zitiert die Zeitung Staatsanwalt Bharara. Bei den ECG handelt es sich um einen Gebäude-Komplex im Nordwesten der Bronx. Er besteht aus zehn mehrstöckigen Häusern mit rund 900 Wohnungen und Platz für etwa 2100 Menschen. In der Mitte befindet sich ein Spielplatz. Viele der Taten in der ECG-Nachbarschaft seien auf den Bandenkrieg zwischen den 2Fly und den BMB zurückzuführen.

Laut Bharara kamen die Ermittler den Gangmitgliedern über deren Social-Media-Accounts auf die Schliche. Viele hätten auf YouTube mit ihren "kriminellen Taten geprahlt" und auf Twitter und Instagram Macht demonstriert. Oder sie machen für ihre illegalen Geschäfte mit einem eigenen Sinn für Stil Werbung. Burberry Suits, Gucci Suits, Ferragamo Suits, Sean John Suits - die verschiedenen Ränge bei den BMB, den Big Money Bosses, sind nach Designern benannt.

Im Video: Großrazzia in New York

NYPD

gam



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