Deutsch-russische Hochstaplerin Bald auf Netflix, jetzt vor Gericht

Ihre Geschichte ist so spektakulär, dass Netflix eine Serie plant: Eine junge Frau aus Eschweiler soll sich das Vertrauen der New Yorker High Society erschlichen und ihre Opfer um viel Geld betrogen haben.

Anna Sorokin vor Gericht
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Anna Sorokin vor Gericht


In Kreisen der New Yorker High Society war sie als Anna Delvey bekannt, als junge deutsche Erbin, die ein "engelhaftes Gesicht mit blauen Augen und Schmollmund" hatte, wie es ein mutmaßliches Opfer beschrieb, als gut betucht, doch gönnerhaft: Trinkgeld in Höhe von Hundert US-Dollar, Abendessen oder Urlaub für Tausende, private Butler und Jets. So klingt es in Berichten über Anna Delveys Lebensstil.

Das Problem ist: Es gibt keine Anna Delvey.

Es gibt Anna Sorokin. Und die soll sich laut den Ermittlern über Jahre unter dem Namen Anna Delvey das Vertrauen von Mitgliedern der High Society erarbeitet und ihre Opfer um über eine Viertelmillion US-Dollar, umgerechnet etwa 240.000 Euro, betrogen haben.

Sorokin, 28, über die das "New York Magazine" im Mai vergangenen Jahres ausführlich berichtete, steht seit heute wegen mehrfachen schweren Diebstahls in den USA vor Gericht. Ihr droht eine mehrjährige Haftstrafe. Unabhängig davon, wie das Urteil ausfällt, könnte sie nach Deutschland abgeschoben werden, da ihr Visum überzogen sei, teilte die Polizeibehörde ICE mit.

Klar, sie könnte ein paar Dinge falsch gemacht haben

Es scheint, als hätte Anna Sorokin sich für ihre Rolle als Anna Delvey sämtlicher Facetten der Hochstapelei bedient, glaubt man den Berichten: Demnach verschaffte sie sich nach und nach Gehör in der New Yorker High Society, belog und betrog, vor allem zwischen November 2016 und August 2017, ihre neuen, wohlhabenden Bekannten und die Banken, die Hotels, die Restaurants - mit falschen Dokumenten und ihrer selbstbewussten Art, in der sie, die in Luxushotelzimmern lebte, die Designerklamotten so überzeugend leger trug. In feinen Restaurants und poshen Klubs, auf Partys, Galerien und Kunstmessen zeigte sie sich als jemand, den es so nicht gab.

Laut Staatsanwaltschaft fälschte Sorokin Schecks, legte, um einen Kredit über 22 Millionen US-Dollar zu kriegen, einer Bank gefälschte Unterlagen vor, in denen sie, die aus einfachen Verhältnissen stammt, angab, dass ihre Familie über ein Vermögen von mindestens 60 Millionen Euro verfüge. Sie belastete Kreditkarten, zahlte ihre Rechnungen nicht und brachte ihre Bekannten dazu, für Taxifahrten, Flüge, Hotel- oder Urlaubskosten aufzukommen. Sie, die wohlhabende Anna Delvey, würde das schon zurückzahlen, das war wohl die Annahme. Eine Fotoredakteurin der "Vanity Fair" schrieb darüber, wie Sorokin sie auf den Kosten eines gemeinsamen Marokko-Urlaubs, 62.000 US-Dollar, hatte sitzen lassen, und brachte den Fall ins Rollen.

Klar, sagte Sorokin dem "New York Magazine", sie könnte ein paar Dinge falsch gemacht haben. "Aber das schmälert nicht die hundert Dinge, die ich richtig gemacht habe."

Netflix hat die Rechte gekauft

Was ihr Umfeld von ihr wahrnahm, wie ebenfalls aus dem Text im "New York Magazine" hervorgeht: dass sie jeden gekannt und auf den besten Partys verkehrt habe. Wer sie wirklich war, woher die vermeintliche deutsche Erbin, die schlecht Deutsch sprach, wirklich kam, das wusste offenbar niemand.

Sorokin stammt aus Russland, die Mutter Hausfrau, der Vater Lastwagenfahrer. Mit ihrer Familie kam sie als 16-Jährige nach Deutschland. Zur Schule ging sie in Eschweiler, nahe Köln. In London studierte sie kurz Kunst, ging dann für ein Praktikum nach Paris. Dort wurde aus Anna Sorokin Anna Delvey. Sie zog nach New York.

Sorokins Geschichte klingt filmreif - und könnte bald auch schon verfilmt werden: Die "Grey's Anatomy"-Produzentin Shonda Rhimes will eine Netflix-Serie daraus machen, der Streamingdienst hat die Rechte gekauft. Für die Rolle der Anna Sorokin seien die Schauspielerinnen Jennifer Lawrence oder Margot Robbie im Gespräch. Ein Thema, das Sorokin offenbar umtreibt: Laut "Variety" soll sie bei Hollywoodproduzenten angerufen haben, um zu klären, wen sie sich in ihrer Rolle wünschen würde.

"Soon on Netflix", steht in Sorokins Instagram-Biografie. Doch zunächst: vor Gericht.

skr/dpa/AP

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