New York Gericht stellt Verfahren gegen Strauss-Kahn ein

Dominique Strauss-Kahn kann aufatmen: Das New Yorker Gericht hat das Verfahren wegen versuchter Vergewaltigung gegen den ehemaligen IWF-Chef eingestellt. Der Prozess ist geplatzt, weil die Aussagen der Belastungszeugin sich als wenig belastbar herausstellten.

DPA

New York - Dominique Strauss-Kahn bleibt ein Strafprozess in den USA wegen des Vorwurfs der versuchten Vergewaltigung erspart: Das Gericht in Manhattan ist an diesem Dienstag dem Antrag der Staatsanwaltschaft gefolgt und hat das Verfahren eingestellt.

Strauss-Kahn, der mit seiner Frau Anne Sinclair vor Gericht erschienen war, teilte nach der Entscheidung des Richters in einer Erklärung mit, die vergangenen zweieinhalb Monate seien für ihn und seine Familie "ein Alptraum" gewesen. "Wir freuen uns auf unsere Heimkehr und die Fortsetzung eines normaleren Lebens."

Die Entscheidung von Richter Michael Obus trat nicht sofort in Kraft, weil ein Berufungsgericht noch über einen Antrag der Gegenseite entscheiden musste. Die Anwälte der Belastungszeugin Nafissatou Diallo hatten die Einsetzung eines Sonderstaatsanwalts gefordert, weil der bisherige Staatsanwalt voreingenommen sei. Obus lehnte den Antrag ab, das Berufungsgericht tat es ihm kurze Zeit später gleich: Strauss-Kahn ist ein freier Mann.

Oberstaatsanwalt Cyrus Vance hatte in einem 25 Seiten langen Schreiben begründet, warum er um den Abschluss des Verfahrens bittet: Diallo habe sich in ihren Aussagen wiederholt widersprochen. "In fast allen Gesprächen" habe sie die Unwahrheit gesagt, so Vance. Diese Lügen hätten bei einem Prozess "verheerende Wirkung" gehabt.

Der damalige Chef des Internationalen Währungsfonds, Strauss-Kahn, war am 14. Mai kurz vor seinem Abflug nach Frankreich im Flugzeug verhaftet worden. Das Zimmermädchen beschuldigte ihn, sie zuvor in seiner Suite im New Yorker Sofitel-Hotel unter anderem zum Oralsex gezwungen zu haben.

Einer der Anwälte Strauss-Kahns kritisierte am Dienstag, es habe einen kollektiven Drang nach einer Verurteilung gegeben, der nicht nur von der Strafverfolgung, sondern auch von den Medien ausgegangen sei. Zu den anwesenden Reportern sagte William Taylor: "Ich will Sie daran erinnern, wie unkritisch die Medien diesen Fall von Beginn an betrachtet haben, ohne die Unwahrscheinlichkeit dieser Geschichte zu erkennen."

Offen ist, ob gegen Strauss-Kahn nun noch ein Zivilverfahren eröffnet wird. Diallo hat eine Zivilklage gegen Strauss-Kahn eingereicht und fordert finanzielle Entschädigung von ihm. In diesem Verfahren könnte Strauss-Kahn auch in Abwesenheit verurteilt werden. Im Unterschied zum Strafprozess muss der Zweifel an der Schuld des Angeklagten für eine Verurteilung nicht vollständig ausgeräumt sein.

In Frankreich muss Strauss-Kahn zudem mit einer weiteren Anklage wegen sexueller Übergriffe rechnen. Die Journalistin Tristane Banon hat wegen versuchter Vergewaltigung Anzeige gegen Strauss-Kahn erstattet. Der 62-Jährige bestreitet auch diesen Vorwurf und zeigte Banon wegen Verleumdung an. Die Staatsanwaltschaft hat mit den Ermittlungen begonnen.

bim/Reuters/AFP/dpa/dapd

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makutsov 23.08.2011
1. Nicht schlecht
Unabhängig von dem, was vorefallen ist, so muss man doch die Rechtsstaatlichkeit des Verfahrens loben. Kein Vergleich zu Kachelmann hierzulande.
doc 123 23.08.2011
2. Geht doch!
Zitat von sysopDominique Strauss-Kahn kann aufatmen: Das New Yorker Gericht hat das Verfahren wegen versuchter Vergewaltigung gegen den ehemaligen IWF-Chef eingestellt. Der Prozess ist geplatzt, weil die Aussagen der Belastungszeugin sich als wenig belastbar herausstellten. http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,781926,00.html
Na also geht doch, hatte wir ja bereits schon vor Wochen hier prognostiziert! Wieso hätte sich Strauss-Kahn mit einem nicht gerade vorteilhaften Zimmermädchen, trotzdem er tolle Ehefrau hat und sich zudem jede Edelnutte von New York leisten könnte, einlassen sollen. Ich hoffe NUR, dass er jetzt noch die Kurve bekommt und gegen diese Witzfigur und Zwerg Sarkozy bei der Präsidenten-Wahl antritt.
Kalix 23.08.2011
3. Na,
wird die US-Staatsanwaltschaft jetzt die Klägerin in die gleiche Mangel nehmen wie seiner Zeit DSK. Eine "winzige" Verschörungstheorie sei erlaubt. Frankreicht stellt die IWF Vorsitzende weiter und aus Sicht Sarkozy ist sein stärkster Konkurrent bei der Präsidentschaftswahl nicht mehr "akzeptabel". Mei, eine kleine Nutte in ein Hotel oder in ein Reinigungsunternehmen einzuschleusen, funktioniert im Bäckerladen, aber in keinem First-Class Hotel.
hupfhupf 23.08.2011
4. ....
Zitat von doc 123Na also geht doch, hatte wir ja bereits schon vor Wochen hier prognostiziert! Wieso hätte sich Strauss-Kahn mit einem nicht gerade vorteilhaften Zimmermädchen, trotzdem er tolle Ehefrau hat und sich zudem jede Edelnutte von New York leisten könnte, einlassen sollen. Ich hoffe NUR, dass er jetzt noch die Kurve bekommt und gegen diese Witzfigur und Zwerg Sarkozy bei der Präsidenten-Wahl antritt.
Dass er sich mit dem Zimmermaedchen vergnuegt hat, statt mit seiner Edel-Ehefrau hat sogar seine Verteidigung eingestanden. Nun ist es nur noch ein Problem zwischen den Eheleuten.
candide08 23.08.2011
5. Unglaublich
Unglaublich, dass der Mann damit so einfach durchkommt. Die afrikanische Einwanderin soll als Zimmermädchen einen 62-jährigen mit Hautallergie einvernehmlich oral befriedigt haben? Was ist das für ein System, in dem der Staatsanwalt aus politischen Gründen gar nicht erst anklagt?
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