Fast 20 Jahre zu Unrecht im Gefängnis Freigesprochener klagt auf Schadensersatz im Mordfall Malcolm X

Muhammad Aziz ist heute 83 und saß fast 20 Jahre im Gefängnis für einen Mord, den er nicht begangen hat: den an der Bürgerrechtsikone Malcolm X. Nun klagt er auf Schadensersatz in Millionenhöhe.
Muhammad Aziz, 83, Mitte November, als das Urteil gegen ihn endgültig aufgehoben wurde

Muhammad Aziz, 83, Mitte November, als das Urteil gegen ihn endgültig aufgehoben wurde

Foto: Seth Wenig / dpa

Fast 20 Jahre seines Lebens saß Muhammad Aziz, 83, in Haft für den Mord an der US-Bürgerrechtsikone Malcolm X – doch er war unschuldig. Jetzt verklagt er den Bundesstaat New York auf Schadensersatz: Er verlange mindestens 20 Millionen Dollar, erklärte Aziz am Dienstag. Sollte es innerhalb von drei Monaten keine Einigung geben, werde er auch die Stadt New York auf 40 Millionen Dollar verklagen.

»Diejenigen, die dafür verantwortlich sind, mir die Freiheit zu nehmen und meiner Familie einen Ehemann, einen Vater und einen Großvater zu nehmen, sollten zur Rechenschaft gezogen werden«, erklärte Aziz bei der Ankündigung seiner Klage.

Die Urteile waren im November aufgehoben worden

Mehr als 55 Jahre nach der Ermordung von Malcolm X hatte eine New Yorker Richterin im November die Schuldsprüche gegen Aziz und den 2009 verstorbenen Khalil Islam für ungültig erklärt. Beide Männer waren 1966 zu lebenslanger Haft verurteilt worden und Mitte der Achtzigerjahre nach rund zwei Jahrzehnten aus dem Gefängnis freigekommen. Aziz’ Anwälte kündigten an, auch im Namen der Familie des verstorbenen Islam Schadenersatzklagen einzureichen.

Eine 22 Monate dauernde Untersuchung hatte zuletzt ergeben, dass sowohl das FBI als auch die New Yorker Polizei wichtige Beweise zurückgehalten hatten. Diese hätten laut der »New York Times«  zum Freispruch der beiden Männer geführt. »Ich bedaure, dass dieses Gericht die schweren Justizirrtümer in diesem Fall nicht rückgängig machen und Ihnen die vielen verlorenen Jahre zurückgeben kann«, hatte die New Yorker Richterin Ellen Biben im November gesagt. »Es gibt keinen Zweifel daran, dass dieser Fall nach grundlegender Gerechtigkeit schreit.«

Der New Yorker Staatsanwalt Cyrus Vance, der eine Überprüfung des Falls eingeleitet hatte, entschuldigte sich für eine »jahrzehntelange Ungerechtigkeit«. Im Zuge der Untersuchung sei klar geworden, dass Aziz und Islam nach der Ermordung von Malcolm X »keinen gerechten Prozess erhalten haben«.

Auslöser für die Untersuchung war eine Netflix-Doku

Malcolm X war am 21. Februar 1965 bei einem Auftritt in New York von drei Angreifern erschossen worden. Aziz und Islam beteuerten ihre Unschuld und konnten Alibis vorweisen. Sie wurden trotzdem 1966 zu lebenslanger Haft verurteilt. Ein dritter Verurteilter, Mujahid Abdul Halim, hatte in dem Prozess ein Geständnis abgelegt, die beiden anderen Männer aber als unschuldig bezeichnet. Aziz wurde 1985 aus dem Gefängnis entlassen. Islam kam 1987 frei und starb 2009. Der heute 80-jährige Halim kam 2010 auf freien Fuß. Die drei Männer gehörten der Schwarzen-Sewegung Nation of Islam an, mit der Malcolm X gebrochen hatte.

Die erneute Untersuchung war nach Ausstrahlung der Netflix-Dokumentation »Who Killed Malcolm X?« (»Wer hat Malcolm X umgebracht?«) gestartet worden. In der Dokumentation wird die These vertreten, dass Aziz und Islam unschuldig sind und Halim bei der Ermordung des Bürgerrechtlers gemeinsam mit vier anderen Mitgliedern von Nation of Islam handelte.

has/AFP

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