New York Polizist soll 13-Jährige zum Gruppensex gezwungen haben

Skandal in den Reihen der New Yorker Polizei: Ein Beamter soll zusammen mit einer Komplizin eine minderjährige Ausreißerin entführt, geschlagen und auf Partys zum Gruppensex genötigt haben. Jetzt ermittelt die Staatsanwaltschaft.


New York - Es ist die traurige, uralte Geschichte eines Mädchens, das in die Fänge skrupelloser Krimineller gerät und in der Gosse landet: Am 10. Januar beschließt eine 13-Jährige aus Brooklyn, ihr Elternhaus zu verlassen und ein neues Leben zu beginnen. Sie trifft jemanden, der ihr einen Job als Tänzerin auf Privat-Partys anbietet. Der Kuppler vermittelt sie an Zelika B., die dem Mädchen unverblümt eröffnet, sie habe 500 Dollar für sie "bezahlt" - und die müssten nun gefälligst "abgearbeitet werden". So berichtet es die Staatsanwaltschaft des New Yorker Bezirk Queens, wo der Fall in Kürze verhandelt werden soll.

Der Behörde zufolge wurde der Teenager daraufhin auf Sex-Partys in der ganzen Stadt an Kunden verkauft. Zelikas Komplize Wayne T. - seines Zeichens Mitarbeiter des New Yorker Police Departments - instruierte das Mädchen demnach in seinem Sinne: Sie sollte ihr Alter immer mit 19 angeben, von den Freiern für jeden sexuellen Akt zwischen 40 und 80 Dollar fordern und das Geld brav bei ihren Zuhältern abgeben.

Bis zu 20 Männer "bediente" die 13-Jährige pro Abend - den unerbittlichen Kupplern war dies offenbar nicht genug. Zelika B. warf dem Mädchen vor, nicht genug Geld zu verdienen und schlug ihren Kopf mit voller Wucht auf den Boden. Polizist T. machte der 13-Jährigen klar, dass er sie bei mangelnder Leistung auf den Straßenstrich schicken werde. In dem Haus, in dem das Mädchen festgehalten wurde, sei außerdem ein Alarm installiert, der jeden Fluchtversuch offenlegen würde, soll er laut Staatsanwaltschaft gedroht haben.

Doch damit nicht genug: Auch von einer jungen Komplizin des Paares wurde das Mädchen offenbar malträtiert. Die 17-Jährige soll das Opfer auf den Sex-Partys überwacht und später auch geschlagen haben, weil es angeblich zu "gesprächig" mit Kunden gewesen sei.

Vor einigen Tagen dann gelang der 13-Jährigen die Flucht. Sie rettete sich zu ihren Eltern, informierte selbst die Polizei und gab den Beamten die Adresse des Hauses, in dem sie festgehalten wurde. Die Kollegen des mutmaßlichen Zuhälters zögerten nicht lange und nahmen das Paar fest.

Jetzt müssen sich der 35-jährige Wayne T. und die 29-jährige Zelika B. wegen Entführung und Förderung der Prostitution, Körperverletzung sowie Gefährdung des Kindswohls vor Gericht verantworten. Die beiden plädierten auf nicht schuldig. Gegen die als strafmündig geltende, 17-jährige mutmaßliche Mittäterin wird wegen derselben Vorwürfe am Mittwoch Anklage erhoben. Dies bestätigte die Staatsanwaltschaft im Stadtbezirk Queens.

Der Anwalt des Polizisten, Peter Brill, sagte Reportern, sein Klient habe ein Recht darauf, dass ihm die Tat lückenlos nachgewiesen werde. Der Rechtsvertreter der angeklagten Frau orakelte laut "New York Times": "Es könnte herauskommen, dass in diesem Fall vieles übertrieben dargestellt wurde."

Für den Bezirksstaatsanwalt Richard A. Brown steht gleichwohl fest: "Dieser Fall ist der schlimmste Alptraum aller Eltern und Kinder, der um so erschütternder dadurch ist, dass einer der Angeklagten ein Polizeibeamter ist, der geschworen hat, das Gesetz und die Gemeinde, der er dient, aufrecht zu erhalten."

Der Ordnungshüter T. arbeitete seit 14 Jahren für das New Yorker Police Department. Er wurde mit sofortiger Wirkung und ohne Lohnfortzahlung vom Dienst suspendiert. Die Angeklagten müssen bei einer Verurteilung mit bis zu 25 Jahren Haft rechnen.

ala/AP



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