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Polizeieinsatz in New York Zwölf Schüsse am Times Square

Die Polizei kannte Darrius K. seit Jahrzehnten. Er saß mehrfach in Haft, galt als psychisch auffällig. Jetzt bedrohte er Passanten und Polizisten in New York mit einem Messer, die Beamten folgten ihm bis über den Times Square. Sie feuerten zwölf Kugeln ab - und Dutzende Passanten schauten zu.

Der Tod von Darrius K. ist für jederman auf YouTube abrufbar. Passanten am New Yorker Times Square haben den 51-Jährigen am Wochenende mit ihren Handy-Kameras gefilmt, die Bilder sind verwackelt, teilweise unscharf, der Ton ist miserabel. Doch was zu erkennen ist, reicht aus, um zu erschüttern.

Zu sehen ist der 51-jährige K., er trägt zur weiten Jeans ein zerschlissenes Hemd und läuft mitten auf der 7th Avenue entlang, er hüpft, schreit, dreht sich immer wieder um und fuchtelt wild mit seinen Armen. Mehrere Polizisten in dunklen Uniformen folgen ihm über die Straße, sie haben ihre Waffen gezogen und zielen auf K.

Auf den Amateuraufnahmen sind auch zahlreiche Menschen auf den Bürgersteigen zu sehen. Sie haben ihre Handys gezückt und laufen schnell, um den Anschluss an das Geschehen nicht zu verpassen. "Seht ihr den Scheiß?", ruft einer von ihnen. "Die werden dich erschießen, Bruder!", schreit ein anderer K. zu.

Dann fallen Schüsse.

Zwölf Stück sind es insgesamt, abgefeuert von zwei Polizisten, heißt es später in einer Erklärung. Mindestens sieben Kugeln treffen K. in die Brust, die Leiste, in den linken Arm und die linke Wade. Er stirbt wenig später im Krankenhaus. "Man braucht keine zwölf Kugeln, um jemanden zu erschießen", sagte eine Tante von K., Margaret Johnson, später der Zeitung "New York Daily News" .

Von offizieller Seite wird der Einsatz gerechtfertigt: Die Beamten hätten "angemessen gehandelt", sagte ein Polizeivertreter örtlichen Medien. Sie hätten getan, "wozu sie trainiert wurden", heißt es von einem Vertreter der Stadt. Bürgermeister Michael Bloomberg sprach von einem "verantwortungsvollen Handeln" der Polizisten.

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Times Square: Schüsse in New York

Foto: AP/ The New York Times

K. ist für die Polizei kein Unbekannter. Ihren Angaben zufolge wurde er schon zehnmal verhaftet, die Strafen gehen einem Bericht der "New York Daily News" zufolge bis 1978 zurück. K. wurde demnach unter anderem Belästigung sowie der Besitz von Marihuana, Waffen und Diebesgut zur Last gelegt.

Zuletzt wurde K. im Jahr 2008 festgenommen, nachdem er Passanten und Polizisten in der Nähe des Broadway mit einem Schraubenzieher bedroht hatte. Er wehrte sich gegen seine Festnahme und saß dafür 40 Tage in Haft. Erst einen Monat zuvor hatte er auf dem Times Square randaliert und mehrere Mülleimer umgeworfen. Die Polizei brachte ihn daraufhin in das Bellevue Hospital Center, um ein psychiatrisches Gutachten erstellen zu lassen.

Die Polizei vermutet, dass K. zuletzt arbeitslos gewesen ist. Seine letzte bekannte Adresse lag den Angaben zufolge in Hempstead, Long Island. Seine Familie beschreibt ihn dem Blatt zufolge  als ruhigen Musiker, der Bass in einer Kirche gespielt habe. Augenzeugen sagten, dass K. häufig am Times Square gewesen sei, manchmal habe er sich als Ninja verkleidet und gegen Geld Kunststücke vorgeturnt.

Auch am vergangenen Wochenende zog K. zum Times Square. Es war gegen 3 Uhr nachmittags, als die Polizisten ihn dort bemerkten. Er stand an der Ecke 44th Street und 7th Avenue und rauchte offenbar Marihuana. Als die Beamten ihn ansprachen, habe er sich aufgeregt, mit einem Messer herumgefuchtelt und ihnen gedroht, sagte Polizeisprecher Paul Browne. Die Klinge soll 15 Zentimeter lang gewesen sein.

K. rannte davon. Über insgesamt sieben Häuserblocks zog sich sein Weg, dabei soll er mehrfach Passanten bedroht und immer wieder die Befehle der Polizisten ignoriert haben. Sechsmal haben die Beamten ihn mit Pfefferspray attackiert. Erfolglos. Am Ende waren K. zahlreiche Polizisten auf den Fersen, sie zückten ihre Waffen.

Und die Passanten ihre Handys.

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