Neue Vorwürfe gegen Footballstar Mord im Spiel

Wegen eines Mordes ist Footballstar Aaron Hernandez bereits angeklagt, nun gibt es neue Vorwürfe. Bevor er einen 40-Millionen-Dollar-Vertrag unterschrieb, soll er zwei weitere Männer erschossen haben. Schickte sein Team einen Doppelmörder aufs Feld?

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Daniel de Abreu und Safiro Furtado standen mit ihrem BMW in der Nacht des 16. Juli 2012 auf der Shawmut Avenue in Boston an einer roten Ampel. Die beiden Männer waren auf dem Weg von einem Nachtklub nach Hause. Dort kamen sie nie an.

An der Ampel hielt neben ihnen ein Geländewagen. Aus dem Fahrzeug heraus wurden mehrere Schüsse abgegeben, ehe der Wagen laut Zeugenaussagen davonbrauste. Abreu, der am Steuer saß, wurde tödlich in die Brust getroffen. Furtado, auf dem Beifahrersitz, trafen ebenfalls mehrere Kugeln, eine davon in den Kopf. Zwei weitere Insassen konnten fliehen, ein dritter wurde durch die Schüsse verletzt.

Nun, fast zwei Jahre später, glauben Ermittler, den Schützen gefunden zu haben. Der Verdächtige heißt Aaron Hernandez, ehemaliger Star der New England Patriots in der Profi-Footballliga NFL - und schon wegen eines Mordes aus dem Jahr 2013 angeklagt.

Aufstieg zum Sportstar - dann der schnelle Absturz

Wenn die neuen Vorwürfe stimmen, gaben die Patriots 2012 einem Doppelmörder einen Vertrag über 40 Millionen Dollar, 16 Millionen davon garantiert. Hernandez unterschrieb einen Monat nach den tödlichen Schüssen auf Abreu und Furtado den lukrativen Kontrakt.

Die Mannschaft müsse nun die Möglichkeit in Betracht ziehen, "dass sie die gesamte Saison 2012 mit einem Mann bestritt, der zwei Menschen umbrachte, und dass Hernandez in dem Jahr 51 Pässe mit den Händen fing, die die Mordwaffe hielten", schrieb "Sports Illustrated". Auch dank Hernandez schafften es die Patriots in der Spielzeit bis ins Halbfinale, wo sie am späteren Meister Baltimore Ravens scheiterten.

Der 24-Jährige war schon zu seiner Zeit an der Universität von Florida ein Star, auch in der NFL schien ihm eine große Karriere sicher. Dann wurde am 17. Juni 2013 die Leiche des Football-Halbprofis Odin Lloyd gefunden, einem Bekannten von Hernandez. Er soll den Mord an Lloyd orchestriert haben.

Wenige Tage später wurde der Footballstar verhaftet, die Patriots lösten seinen Vertrag auf. Hernandez sitzt seither in Untersuchungshaft, er hat sich im Fall Lloyd nicht schuldig bekannt.

Mutmaßlicher Täter und Opfer sollen sich nicht gekannt haben

Die Doppelmord-Beschuldigung wirft nun ein neues Licht auf Lloyds Tod. Eine Vermutung besagt, dass Hernandez den 27-Jährigen umgebracht haben könnte, weil dieser Informationen über den Doppelmord hatte. Für die Anklage im Fall Lloyd ist das eine wichtige Theorie - denn bislang schien das Tatmotiv reichlich nebulös.

Staatsanwalt Daniel Conley wollte sich zu einer möglichen Verbindung zwischen den Taten nicht äußern. Er schilderte lediglich den Tatablauf aus Sicht der Ermittler. Abreu und Furtado seien etwa gegen 0.30 Uhr in dem Club angekommen. Dort sei auch Hernandez mit einem Begleiter gewesen; es gebe keine Anhaltspunkte dafür, dass die Männer sich vorher gekannt hätten. Diese "zufällige Begegnung", so Conley, habe eine Reihe von Ereignissen ausgelöst, die zu den Morden geführt habe.

Abreu und Furtado sollen gegen 2 Uhr den Club verlassen haben. Laut Staatsanwaltschaft bemerkten sie nicht, dass Hernandez ihnen im Auto folgte. Der Footballer und sein Begleiter sind auf Überwachungsvideos zu sehen. Es gibt auch Bilder aus der Nacht, die sie in einem Geländewagen zeigen.

Die Polizei hat das Auto sichergestellt, aus dem die tödlichen Schüsse abgefeuert wurden - in einem Gebäude, das einem Verwandten von Hernandez gehört. Auch die Tatwaffe sei bei einer Person mit Verbindung zu Hernandez gefunden worden.

"Opfer, die verfolgt, überfallen und sinnlos ermordet wurden"

Die Anwälte des 24-Jährigen teilten mit, ihr Mandant freue sich darauf, in der Verhandlung seine Unschuld zu beweisen. "Es ist eine Sache, bei einer Pressekonferenz Anschuldigungen zu erheben, aber eine andere, sie vor Gericht zu belegen. Im Gegensatz zum Staatsanwalt werden wir diesen Fall nicht über die Medien verhandeln", heißt es in einer Mitteilung der Verteidiger.

"Für uns geht es in diesem Fall nicht um Aaron Hernandez", sagte Staatsanwalt Conley. "Es geht um zwei Opfer, die verfolgt, überfallen und sinnlos ermordet wurden, auf den Straßen der Stadt, die sie ihre Heimat nannten."

In jedem Fall wird es für Hernandez teuer. Er braucht nun in zwei Mordverfahren statt in einem Anwälte. Lloyds Familie hat Hernandez auf eine unbekannte Summe verklagt; die Angehörigen von Abreu und Furtado fordern sechs Millionen Dollar.

Selbst das Geld aus seinem Patriots-Vertrag wird Hernandez wohl nicht bleiben. Offenbar musste er unterschreiben, es gebe keine Umstände, die ihn an der Erfüllung des Kontrakts hindern. Falls er Abreu und Furtado umgebracht hat, hätte er den Club mit seiner Unterschrift getäuscht - und die Patriots könnten ihr Geld zurückverlangen.

Mit Material von AP



insgesamt 5 Beiträge
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schmusel 16.05.2014
1. Ahem
Drei Morde = Dreifachmörder (mutmaßlich versteht sich), nicht Doppelmörder.
max_california 16.05.2014
2.
Doppelmörder ist richtig. Es geht hier um den Zeitpunkt, an dem Aaron Hernandez ein hoch dotierter Vertrag angeboten wurde. Der dritte Mord erfolgte im Jahre 2013, also zu einem Zeitpunkt, als er den Vertrag schon längst unterschrieben hatte.
SaschaH 16.05.2014
3. optional
Warum er das Geld aus seinem Vertrag zurückzahlen muss ist unklar. Zum Zeitpunkt des Vertragsabschlusses, gab es keine Umstände die ihn an der Erfüllung des Vertrages gehindert hätten. Die Anklage kam ja erst nach Vertragsunterzeichnung. Zumal er ja einen Teil des Vertrages wohl erfüllt hat und der Verein hat dadurch sehr provitiert.
JKStiller 16.05.2014
4. Die psychologische Komponente
und der Background von Hernandez würde mich interessieren. Wie kann es sein, dass jemand mit solchen Aussichten im Leben eben dieses so einfach wegwirft und (mutmaßlich) andere Menschen tötet? Wie ist er aufgewachsen? Was ist er für ein Charakter? Würde mich freuen, darüber nochmal was auf SpOn zu lesen.
Torsten Schreiber 18.05.2014
5. Juristische Würdigung zum jetzigen Zeitpunkt
@SaschaH: Der Artikel ist wie fast alle zu amerikanischen Themen mittelmäßig recherchiert und reflektiert nicht den aktuell bekannten Stand und differenziert auch nicht zwischen den zwei wesentlichen vertragsbezogenen Rechtsthemen. Einerseits besteht tatsächlich wenig realistische Hoffnung, dass irgendwann Cash zurückfließen dürfte. Ob ein Anspruch besteht, ist aktuell bereits fraglich und dürfte sich überhaupt nur im Sinne der Pats, sollte Hernandez tatsächlich schuldig gesprochen werden. Unendlich entscheidender für die Pats ist aber, dass für weite Teile der Vertragssumme cap relief durch die NFL gewährleistet wird, also dass entschieden wird, dass Hernandez aufgrund der ihm bekannten felony vertraglich nicht leistungsfähig war und dass zumindest Teile des signing Bonus für die Jahre, in denen der Spieler aufgrund der juristischen Verfahren nicht Rosterbestandteil war, anteilig als relief gewährt wird. @4: Hierzu gibt es einen gut lesbaren Artikel auf Rolling Stone (der allerdings nicht Recherchiertes "charmant" ergänzt): http://www.rollingstone.com/feature/the-gangster-in-the-huddle
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