Mutmaßlich isoliert lebende Gruppe in den Niederlanden Ermittler nehmen Vater fest

Ein 67-Jähriger ist im mutmaßlichen Kriminalfall im niederländischen Ruinerwold festgenommen worden. Es soll sich um den Vater von sechs jungen Leuten handeln, die offenbar mit ihm isoliert auf einem Bauernhof lebten.

Vincent Jannink/EPA-EFE/REX

Im Fall einer mutmaßlich isoliert lebenden Familie auf einem Bauernhof in Ruinerwold in den Niederlanden hat es eine zweite Festnahme gegeben. Bei dem 67 Jahre alten Verdächtigen handelt es sich laut der Polizei von Drenthe um den Vater der sechs anderen Personen. Ihm wird laut einer Mitteilung unter anderem Freiheitsberaubung und Geldwäsche vorgeworfen.

"Wir denken, dass die sechs Personen dort nicht aus freiem Willen gelebt haben", sagte Polizeisprecherin Nathalie Schubart. Die Gründe sind bislang zwar weiter unklar. Aber nach der eingehenden Durchsuchung des Hofes und Vernehmungen schließt die Polizei nicht aus, dass die Hintergründe in einer Art Sekte liegen könnten. Es werde untersucht, ob "eine bestimmte Lebens- oder Glaubensüberzeugung" zu der Lebenssituation der Jugendlichen geführt habe.

Zumindest der Vater soll Mitglied einer Sekte gewesen sein. Ein Sprecher der sogenannten Vereinigungskirche des selbst ernannten und bereits verstorbenen koreanischen "Messias" Sun Myung Moon bestätigte, dass der Mann vor Jahren Mitglied gewesen sei.

Zu der Familie sollen noch drei weitere Kinder gehören. Sie seien bereits vor acht Jahren geflohen, hieß es in einer Erklärung von Angehörigen, die niederländische Medien veröffentlichten. Danach hatte der Vater schon vor Jahren den Kontakt zu seiner Familie abgebrochen.

Am Dienstag war bereits ein 58-jähriger Österreicher festgenommen worden, nachdem ein junger Mann sich bei einem Wirt gemeldet hatte. Seiner Aussage zufolge lebten er und seine Verwandten neun Jahre lange isoliert im Zimmer eines Bauernhofs. Die genauen Verwandtschaftsverhältnisse der Betroffenen sind noch unklar.

Mieter des Bauernhofs ist der 58-Jährige, der für mindestens 14 Tage in Haft bleiben muss. Er wird ebenfalls der Freiheitsberaubung beschuldigt. Es gebe Hinweise darauf, dass die sechs jungen Leute nicht freiwillig in dem Gebäude geblieben seien, hieß es von der Polizei. Man untersuche, ob eine "bestimmte Religion oder Philosophie" die Ursache für die Lebensumstände der Gruppe sei.

Der 67-jährige Vater wird laut Polizei der Misshandlung verdächtigt, da er möglicherweise den Kindern ärztliche Versorgung vorenthalten hat. Der weitere Vorwurf der Geldwäsche wurde erhoben, nachdem die Polizei auf dem Hof auch eine große Summe Bargeld sichergestellt hatte. Einzelheiten nannte die Polizei nicht.

bbr/fek/sen/dpa



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