Isolierte Familie in den Niederlanden Vater soll Kinder sexuell missbraucht haben

Im Fall der Familie, die isoliert auf einem Hof in den Niederlanden lebte, gibt es neue Details. Die Ermittlungen wurden ausgeweitet - wegen sexuellen Missbrauchs und Freiheitsberaubung in einem weiteren Fall.
Der abgeschiedene Hof in Ruinerwold

Der abgeschiedene Hof in Ruinerwold

Foto: Wilbert Bijzitter/EPA-EFE/REX

In dem Fall der mutmaßlich isoliert lebenden Familie in den Niederlanden sind neue Details bekannt geworden. Gegen den 67 Jahre alten Familienvater Gerrit Jan van D. werde nun auch wegen sexuellen Missbrauchs und einem weiteren Fall von Freiheitsberaubung ermittelt, teilte die Staatsanwaltschaft Niederlande-Nord mit.

Mitte Oktober war der rätselhafte Kriminalfall öffentlich geworden. In dem kleinen Ort Ruinerwold soll neun Jahre lang eine Familie mit sechs Kindern eingesperrt gewesen sein - abgeschieden von der Außenwelt auf einem Bauernhof, ohne soziale Kontakte. Einer der Söhne der Familie hatte an einem Sonntagabend im Oktober in einer örtlichen Kneipe um Hilfe gebeten und damit Ermittlungen der Polizei ausgelöst. Doch viele Fragen blieben zunächst unbeantwortet.

Tatsächlich eine Familie

Nun haben die Ermittler zumindest einige Antworten veröffentlicht. Mithilfe von DNA-Tests konnten die Ermittler die Verwandtschaftsverhältnisse klären. Im Oktober war zunächst unklar, ob die Beteiligten tatsächlich verwandt sind oder sich nur selbst als Familie bezeichnen. Die Analyse ergab, dass alle sechs Kinder dieselben Eltern haben, sie also Geschwister sind. Für sie seien nun Geburtsurkunden beantragt worden.

Der leibliche Vater ist den DNA-Tests zufolge der Beschuldigte Gerrit Jan van D., die Mutter ist laut Ermittlern bereits am 6. Oktober 2004 in Zwolle gestorben. Daneben hatte der Vater offenbar mindestens drei weitere, ältere Kinder. Diese lebten aber nicht auf dem Bauernhof in Ruinerwold.

Die Staatsanwaltschaft verdächtigt den 67-Jährigen nun zusätzlich, zwei dieser drei Kinder sexuell missbraucht zu haben. D. sitzt bereits seit Oktober in Untersuchungshaft, bisher wegen des Verdachts der Freiheitsberaubung, Misshandlung und Geldwäsche.

Ausgeweitet hat die Polizei ihre Ermittlungen auch gegen den 58 Jahre alten Österreicher Josef B., der ebenfalls seit Oktober in Haft sitzt. B. hatte den Bauernhof in Ruinerwold angemietet, ihm wird ebenfalls Freiheitsberaubung vorgeworfen.

Viele Fragen weiter offen

Nun verdächtigt die Staatsanwaltschaft B. und D. eines weiteren Verbrechens. Die beiden sollen im Jahr 2009 einen heute 69 Jahre alten Mann für mehrere Monate eingesperrt haben. Der Mann ist nach Ermittlerangaben ebenfalls Österreicher. Weitere Details, etwa in welcher Verbindung er zu B. und der Familie steht, wurden nicht mitgeteilt.

Weiter unklar ist auch, ob die Kinder auf dem Bauernhof wirklich eingesperrt waren oder sich freiwillig dort aufhielten. Die Haftbefehle gegen B. und D. wurden laut Staatsanwaltschaft bereits Ende Oktober um drei Monate verlängert. Ende Januar 2020 wird es demnach eine erste öffentliche Anhörung der Verdächtigen geben. Man erwarte jedoch nicht, dass die Ermittlungen bis dahin abgeschlossen seien, so die Staatsanwaltschaft.

sep