Skandal um »The Voice of Holland« Weitere Frauen melden sexuelle Übergriffe in niederländischer TV-Show

Ein Musiker und ein Jurymitglied sollen in einer niederländischen Musikshow Frauen belästigt haben. Der Fall beschäftigt inzwischen auch Premierminister Rutte – und wird offenbar immer größer.
Im »Studio 22« wurde die Show aufgezeichnet

Im »Studio 22« wurde die Show aufgezeichnet

Foto: ANP / IMAGO

Im Skandal um die Castingshow »The Voice of Holland« berichten immer mehr ehemalige Teilnehmerinnen, Opfer sexueller Übergriffe geworden zu sein. Laut niederländischen Medien mussten sie sich anzügliche Bemerkungen anhören, wurden betatscht und bedrängt. Sie hätten sich schutzlos und bedroht gefühlt.

Die Show war ausgesetzt worden, nachdem Frauen Vorwürfe gegen den Bandleader Jeroen Rietbergen und den Rapper Ali B. erhoben hatten. Ali B. ist Jurymitglied in der Talentshow, gegen ihn wurde Anzeige erstattet. Rietbergen hatte bereits Fehlverhalten zugegeben und war zurückgetreten.

Rutte nennt mutmaßliche Vorgänge »unakzeptabel und unerhört«

Der Fall beschäftigt inzwischen auch die niederländische Politik. Ministerpräsident Mark Rutte bezeichnete den Fall gegenüber dem »Telegraaf« als »unakzeptabel und unerhört«. Das Justizministerium rief mögliche Opfer auf, Anzeige zu erstatten.

Das Onlineportal »Boos« kündigte für Donnerstag weitere Enthüllungen zu den Geschehnissen hinter den Kulissen der Show an. Bereits jetzt haben sich Sponsoren von der Show distanziert, die Sängerin Anouk verließ die Jury.

Es ist der bisher größte #MeToo-Skandal im niederländischen Showbusiness. Die Vorgänge sind auch deshalb brisant, weil sie die prominente Medienfamilie de Mol belasten. »The Voice of Holland« wurde vom TV-Produzenten John de Mol entwickelt, das Format wurde inzwischen an Dutzende Länder verkauft, auch nach Deutschland. John de Mol äußerte sich bisher nicht.

Linda de Mol gab Trennung bekannt

Der beschuldigte Musiker Rietbergen war zudem Lebensgefährte der TV-Moderatorin Linda de Mol, Johns Schwester. Nach Bekanntwerden der Vorwürfe hat sie ihre Beziehung zu Rietbergen beendet – die beiden waren 14 Jahre zusammen.

Linda de Mol nahm eine Auszeit von ihrer Arbeit. »Seit ein paar Tagen bin ich in einem schrecklichen Albtraum«, schrieb sie auf ihrer Website.

Rietbergen hatte zugegeben, dass er sexuelle Kontakte zu Frauen aus der TV-Show hatte. Er hatte um Entschuldigung gebeten und erklärt, er habe seine Machtposition unterschätzt. Er sei von gleichwertigen Beziehungen ausgegangen. Erst jetzt sei ihm bewusst geworden, dass die Frauen »das vielleicht anders erlebt haben«.

Rietbergen hatte auch erklärt, er sei damals bereits von »meinem Auftraggeber« ermahnt worden. Er habe alles seiner Frau gebeichtet und eine Therapie gemacht. Linda de Mol aber erklärte, dass sie von allem nichts gewusst habe.

fek/dpa