Großeinsätze Hunderte Polizisten durchsuchen Gebäude in mehreren Bundesländern

Es geht um den Handel mit Drogen und Waffen: Mit einem Großaufgebot hat die Polizei in Niedersachsen und Bremen mehrere Gebäude durchsucht. Auch in NRW waren Spezialkräfte im Einsatz.
Polizist mit Handschellen (Archivbild)

Polizist mit Handschellen (Archivbild)

Foto: Karl-Josef Hildenbrand/ DPA

Die Polizei hat am Morgen mit mehreren Hundert Einsatzkräften mehr als 15 Gebäude in Bremen, Bremerhaven und Niedersachsen durchsucht. Auch sechs Untersuchungshaftbefehle sollten dabei vollstreckt werden, wie ein Sprecher der Polizei in Bremen  mitteilte. Die Verdächtigen sollen aus Bremen und Bremerhaven stammen, Einzelheiten zu ihnen nannte die Polizei nicht. Auch Spezialeinheiten aus anderen Bundesländern waren den Angaben zufolge im Einsatz.

Die Durchsuchungen und Festnahmen stehen demnach im Zusammenhang mit fünf Verfahren der Bremer Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts des Einfuhrschmuggels und des Handels mit Drogen und Waffen. Außerdem werde wegen Verstößen gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz ermittelt. Nach SPIEGEL-Informationen sind unter den Beschuldigten in Bremen auch Mitglieder des berüchtigten Miri-Clans.

Die Ermittler beschlagnahmten eigenen Angaben zufolge unter anderem Waffen, Munition, mehrere Autos, darunter ein Porsche Cayenne und ein Volvo XC60, diverse E-Bikes und mehrere Kilogramm Drogen. Ein Mann habe drei Kilogramm Drogen aus dem Fenster geworfen, als er die Einsatzkräfte kommen sah. Die Ermittler hätten in seiner Wohnung weitere zwei Kilo Marihuana entdeckt. Bei den Durchsuchungen sollten sogenannte Vermögensarreste in Höhe von mehr als zwei Millionen Euro gesichert werden.

Nach SPIEGEL-Informationen lieferten für die Bremer Ermittlungen einmal mehr von der Polizei geknackte verschlüsselte Chatnachrichten entscheidende Hinweise. Seit Monaten werten Beamte des Bundeskriminalamts (BKA) und die Landeskriminalämter einen riesigen Datensatz aus.

Dabei handelt es sich um Millionen Chatnachrichten von einem Server der Firma Encrochat. Das obskure Unternehmen mit Sitz in den Niederlanden bot der Unterwelt über Jahre Verschlüsselungssoftware an, die für Ermittler lange nicht zu durchdringen war. Kriminalisten bezeichneten den inzwischen eingestellten Dienst als »WhatsApp für Gangster« mit europaweit rund 60.000 Kunden.

Im Frühjahr war es französischen und niederländischen Behörden gelungen, die Verschlüsselung zu umgehen. Seitdem kommt es auch in Deutschland immer wieder zu spektakulären Razzien.

Wohnungen aufgesprengt, Cannabisplantagen ausgehoben

In Nordrhein-Westfalen haben Spezialkräfte der Polizei wegen des Verdachts des Drogenhandels mehrere Wohnungen und Geschäftsobjekte durchsucht und dabei sieben Verdächtige festgenommen. Hintergrund des Großeinsatzes seien Ermittlungen »gegen eine Tätergruppierung, die verdächtig ist, Betäubungsmittel anzubauen beziehungsweise herzustellen und einen schwunghaften Drogenhandel zu betreiben«, teilte die Polizei mit .

Insgesamt 18 Wohn- und Geschäftsobjekte in Mönchengladbach und Leverkusen sowie in den Landkreisen Viersen, Kleve, Oberbergischer Kreis und Neuwied seien am Morgen durchsucht worden. In Mönchengladbach wurde laut Polizei Verdächtige im Alter von 20, 22 und 34 Jahren festgenommen, in Leverkusen nahmen die Einsatzkräfte drei Männer im Alter von 34, 37 und 41 Jahren fest. Auf der Autobahn 57 bei Moers ging den Fahndern dann noch ein 23-Jähriger aus Mönchengladbach ins Netz.

Keiner der Festgenommenen habe sich zu den Vorwürfen geäußert, hieß es. Sie sollen einem Haftrichter vorgeführt werden. In Mönchengladbach stießen die Ermittler demnach auf eine Cannabisplantage mit mehr als 2000 Pflanzen. Im Oberbergischen Kreis sei eine Plantage mit mehr als 1000 Cannabispflanzen entdeckt worden.

Zum Teil seien Wohnungen aufgesprengt worden, teilte die Polizei mit. Bei dem Zugriff in Leverkusen sei ein Mann leicht verletzt worden. Bei dem Einsatz gehe es um »die Auffindung von Beweismitteln, die Einziehung von Tatmitteln und die Einziehung von Gewinnen aus dem Drogenhandel«, teilte die Polizei weiter mit. Neben den Kräften der Spezialeinheiten und der Bereitschaftspolizei waren demnach auch Kriminalbeamte und Finanzermittler im Einsatz.

wit/rol/dpa