Angriff in Kirchweyhe Mehrjährige Haftstrafe nach tödlicher Prügelattacke

Im Prozess um den Tod eines jungen Mannes in Kirchweyhe hat das Landgericht Verden den Angeklagten Cihan A. zu knapp sechs Jahren Jugendhaft verurteilt. Der Fall hatte auch deshalb Aufsehen erregt, weil Rechtsextreme die Herkunft des Angeklagten instrumentalisierten.

Angeklagter Cihan A. (2013): Urteil in Prozess um tödlichen Angriff in Kirchweyhe
DPA

Angeklagter Cihan A. (2013): Urteil in Prozess um tödlichen Angriff in Kirchweyhe


Verden - Knapp ein Jahr nach dem gewaltsamen Tod eines jungen Mannes im niedersächsischen Kirchweyhe ist ein Urteil gesprochen worden. Das Landgericht Verden verurteilte einen 21-Jährigen zu fünf Jahren und neun Monaten Jugendstrafe. Die Kammer sah es als erwiesen an, dass Cihan A. sein Opfer Daniel S. nach der Rückkehr von einer Disco so heftig trat, dass der 25-Jährige an einer Gehirnblutung starb.

Ob das Opfer einen Streit schlichten wollte, blieb unklar. A. wurde wegen Körperverletzung mit Todesfolge verurteilt, aufgrund einer Entwicklungsverzögerung nach Jugendstrafrecht.

Die Staatsanwaltschaft hatte sechs Jahre Jugendhaft gefordert. Vom ursprünglichen Mordvorwurf rückte sie in ihrem Plädoyer nach widersprüchlichen Zeugenaussagen ab. Die Verteidigung plädierte auf Freispruch.

Der Fall hatte eine heftige Kontroverse ausgelöst, weil Rechtsextreme die Tat und die Herkunft des Täters für ihre Zwecke instrumentalisieren wollten. Auf der anderen Seite wurde das Opfer als Nazi tituliert - was offenkundig nicht stimmt.

Die Stimmung war so angespannt, dass Mahnwachen am Bahnhof in Kirchweyhe unter Polizeischutz stattfinden mussten. Bürgermeister Frank Lemmermann und seine Mitarbeiter wurden daraufhin so übel beschimpft, dass sie mehr als hundert Anzeigen auf den Weg brachten.

wit/dpa



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