Niedersachsen Pfarrer wegen 280fachen sexuellen Missbrauchs angeklagt

Immer wieder soll er sich über Jahre hinweg an drei Jungen vergangen haben - nun hat die Staatsanwalt Braunschweig einen katholischen Priester aus Salzgitter angeklagt. Die Übergriffe hat er bereits gestanden, bestreitet aber im Fall eines Opfers die Anzahl der Missbrauchsfälle.


Salzgitter - Die Staatsanwaltschaft Braunschweig hat wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern und Jugendlichen Anklage gegen einen Pfarrer aus Salzgitter erhoben. Dem 46-Jährigen werden insgesamt 280 mutmaßliche Taten vorgeworfen: 44 Fälle des sexuellen Missbrauchs von Kindern, 223 Fälle des schweren sexuellen Kindesmissbrauchs und 13 Fälle des sexuellen Missbrauchs Jugendlicher.

Laut Staatsanwaltschaft soll der Mann die Taten zwischen 2004 und 2011 begangen haben. Der katholische Geistliche war im Juli festgenommen worden und sitzt seitdem in Untersuchungshaft. Der Fall des Geistlichen hatte bundesweit Aufsehen erregt. Kurz vor seiner Verhaftung hatte der Priester ein Kontaktverbot des Bistums missachtet und sich erneut einem Jugendlichen genähert.

Die Jungen waren nach Angaben der Staatsanwaltschaft zwischen neun und 15 Jahren alt, als der Geistliche sie während seiner Tätigkeit als Gemeindepfarrer in Salzgitter und Braunschweig missbrauchte. Er hatte die Taten nach seiner Festnahme in einer fünfstündigen Vernehmung im Wesentlichen gestanden. Lediglich die Anzahl der ihm vorgeworfenen Übergriffe auf eines seiner Opfer bestritt der Mann.

Frage der beeinträchtigen Schuldfähigkeit

"Die Geschädigten haben sich sehr genau an einzelne Vorfälle erinnert", sagte Staatsanwältin Birgit Seel. Anhand von Geburtstagen oder Erinnerungen an bestimmte Orte hätten sie sehr genau sagen können, wann Übergriffe stattgefunden hätten.

Die Ermittlungen waren durch die Anzeige eines der Jungen ins Rollen gekommen. Die Kirche hatte den Geistlichen nach seiner Festnahme von allen Ämtern beurlaubt. Das Bistum Hildesheim war laut Seel bei den Ermittlungen sehr kooperativ.

Für schweren sexuellen Missbrauch von Kindern sieht das Gesetz eine Haftstrafe von mindestens zwei Jahren pro Fall vor. Die Höhe der Strafe werde aber auch dadurch beeinflusst, ob die Schuldfähigkeit des Mannes durch eine homopädophile Neigung "mit Krankheitswert" beeinträchtigt sein könnte, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Ein psychiatrisches Gutachten zu dieser Frage stehe noch aus. Wann der Prozess beginnt, ist unklar.

ulz/AFP/dapd



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