Prozess gegen Niels Högel Ermittler erhebt Vorwürfe gegen Krankenhaus

Der Patientenmörder Niels Högel soll zahlreiche Patienten mit Gilurytmal getötet haben. Ein Ermittler hat vor Gericht nun zu der Rolle des Krankenhauses und Högels Motivation ausgesagt.

Niels Högel neben seiner Anwältin Kirsten Hüfken
DPA

Niels Högel neben seiner Anwältin Kirsten Hüfken


Im Prozess gegen den Patientenmörder Niels Högel hat der frühere Leiter der Polizeisonderkomission Vorwürfe gegen das Klinikum Delmenhorst erhoben. Dort sei 2004 der Zugang zum Medikament Gilurytmal erleichtert worden, sagte Arne Schmidt vor dem Landgericht Oldenburg.

Mit dem Stoff soll der ehemalige Krankenpfleger Högel viele Patienten zu Tode gespritzt haben. Bei Gilurytmal sei damals ein hoher Anstieg bei den Bestellungen registriert worden, sagte Schmidt. Nach einer Entscheidung der Medikamentenkommission der Klinik habe jeder Pfleger das Medikament bestellen können - vorher war das nur mit Autorisierung eines Arztes möglich.

In der Endphase seiner Verbrechensserie hat Högel aus Sicht des Ermittlers allein aus dem Motiv gehandelt, Menschen umzubringen. Es sei ihm nicht mehr - wie anfangs noch - darum gegangen, als kompetenter Retter zu gelten, sagte Schmidt. Högels Ziel war es demnach nur zu Beginn seiner Morde, Patienten in einen lebensbedrohlichen Zustand zu versetzen und Kollegen durch eine gelungene Reanimierung zu beeindrucken. Viele Patienten überlebten das nicht.

"Was nicht zu beweisen ist, gibt er auch nicht zu"

Högel habe in den Vernehmungen nicht durchgängig die Wahrheit gesagt, sondern "planmäßig und inszeniert" gelogen, sagte Schmidt. "Was nicht zu beweisen ist, gibt er auch nicht zu", bilanzierte der Ermittler nach 30 Vernehmungsstunden mit Högel.

So habe der 42-Jährige lange massiv abgestritten, in Oldenburg überhaupt jemandem geschadet zu haben. In dem dortigen Klinikum tötete er aber laut Anklage mehr als 30 Patienten durch das Injizieren von Herzmedikamenten. Bis heute empfinde Högel weder Mitgefühl noch Empathie, sagte Schmidt. In Vernehmungen habe er seinen Zustand vor einem Mord als "freudige Erwartungshaltung" beschrieben

Schmidt ist der erste Zeuge in dem seit 30. Oktober laufenden Prozess. Högel war von 2002 bis 2005 am Klinikum Delmenhorst in der Nähe von Bremen beschäftigt. Wegen sechs Taten auf der Delmenhorster Intensivstation sitzt er bereits lebenslang in Haft. Der 42-Jährige ist wegen 100-fachen Mordes angeklagt.

bbr/dpa



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