Prozess gegen Niels Högel "Ich wollte endlich aufhören und erwischt werden"

Als Krankenpfleger spritzte Niels Högel Patienten zu Tode. Zuerst sei er vorsichtig vorgegangen, später habe er absichtlich riskiert, dass seine Taten ans Licht kommen, sagte er nun vor Gericht.
Niels Högel

Niels Högel

Foto: David Hecker/Getty Images

Der verurteilte Patientenmörder Niels Högel hat nach eigener Aussage zwischen seinen Taten nicht ans Aufhören gedacht. Er sei zwar zeitweise vorsichtig geworden, um nicht entdeckt zu werden, sagte der 42-Jährige im Mordprozess vor dem Landgericht Oldenburg. Später habe er jedoch nicht mehr groß auf die Auswahl der Patienten geachtet, denen er Medikamente spritzte.

In seiner letzten Zeit im Delmenhorster Klinikum sei er schließlich ein höheres Risiko eingegangen. "Ich wollte endlich aufhören und erwischt werden", sagte Högel über die Phase, bevor er von einer Pflegerin auf frischer Tat ertappt wurde. In diesem Zeitraum habe er auch viel Alkohol getrunken, allerdings nach dem Dienst und damit ohne Auswirkungen auf seine Arbeit.

Die Staatsanwaltschaft hat den Ex-Krankenpfleger wegen Mordes an 100 Patienten an den Kliniken in Delmenhorst und Oldenburg angeklagt. Sie wirft ihm vor, seine Opfer mit verschiedenen Medikamenten zu Tode gespritzt zu haben. Wegen des Todes von sechs Patienten auf der Delmenhorster Intensivstation hatte das Landgericht Oldenburg den Mann bereits zu lebenslanger Haft verurteilt.

Högel habe aus Imponiergehabe getötet, zitierte Richter Sebastian Bührmann aus den Unterlagen des bisherigen Gutachters Konstantin Karyofilis. Dieser ist für den Prozess wegen einer schweren Krankheit ausgefallen, er hatte Högel bereits 2015 psychiatrisch begutachtet und viele Stunden mit ihm gesprochen.

Nach Ansicht von Karyofilis ging es Högel um Anerkennung und Lob, er wollte zum Elite-Kreis der Pfleger gehören. Mitgefühl gegenüber den Patienten, um sie etwa von Schmerzen zu erlösen, empfand Högel dabei nicht.

cop/dpa
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