Prozess gegen Ex-Krankenpfleger Niels Högel wegen 85 Morden zu lebenslanger Haft verurteilt

Wegen einer jahrelangen Mordserie hat das Landgericht Oldenburg den Ex-Pfleger Niels Högel zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt. Der Richter sprach von unbegreiflichen Taten - und unfassbarer Schuld.

Verurteilt wegen 85 Morden an Patienten: Niels Högel
Hauke-Christian Dittrich/AFP

Verurteilt wegen 85 Morden an Patienten: Niels Högel


Wegen 85 Morden an Patienten ist der frühere Krankenpfleger Niels Högel zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt worden. Das Landgericht Oldenburg stellte zudem die besondere Schwere der Schuld fest, was eine vorzeitige Haftentlassung nach 15 Jahren ausschließt. Zudem wurde Högel mit einem lebenslangen Berufsverbot belegt.

Der Vorsitzende Richter Sebastian Bührmann sagte in seiner Urteilsbegründung, bei den Taten Högels handele es sich "um etwas, was jegliche Grenzen sprengt und jeglichen Rahmen überschreitet". Högels Schuld sei unfassbar: "Herr Högel, Ihre Taten sind unbegreiflich - es ist so viel, dass der menschliche Verstand kapituliert vor der schieren Anzahl der Taten" .

Högel war in diesem Prozess wegen Mordes in 100 Fällen angeklagt. In 15 Fällen sprach das Gericht den Angeklagten frei. Högel selbst hatte 43 Taten gestanden. Die Staatsanwaltschaft hatte in 97 Mordfällen eine lebenslange Freiheitsstrafe unter Feststellung der besonderen Schwere der Schuld für ihn beantragt. Mehrere Nebenkläger hatten zudem auch auf eine anschließende Sicherungsverwahrung für den ehemaligen Krankenpfleger plädiert.

Die Verteidigung des Ex-Krankenpflegers hatte in ihrem Plädoyer für 31 Fälle Freispruch gefordert. Rechtsanwältin Ulrike Baumann verwies in ihrem Schlusswort auf das positive Aussageverhalten ihres Mandanten. Ohne seine Angaben wären viele Taten überhaupt nicht zur Anklage gekommen.

Keine Scham, Schuld, Reue, Empathie

Ein Gutachter hatte dem Ex-Pfleger Schuldfähigkeit attestiert, zugleich aber auffällige Persönlichkeitsstörungen festgestellt. Högel zeige Anzeichen von Störungen, diese seien aber nicht so ausgeprägt wie bei psychisch Kranken, hatte der psychiatrische Gutachter Henning Saß Ende April gesagt. Högel fehle es an Scham, Schuld, Reue und Empathie.

In seinem letzten Wort vor der Urteilsverkündung hatte Högel am Mittwoch bei den Angehörigen seiner Opfer um Entschuldigung gebeten. "Bei jedem Einzelnen möchte ich mich aufrichtig für all das, was ich Ihnen über Jahre angetan habe, entschuldigen", sagte der 42-jährige. Es sei ihm während des Prozesses klar geworden, wie viel unendliches Leid er durch seine "schrecklichen Taten" verursacht habe.

Högel soll von 2000 bis 2005 an den Kliniken Oldenburg und Delmenhorst Patienten mit verschiedenen Medikamenten zu Tode gespritzt haben. Wegen des Todes von sechs Patienten auf der Delmenhorster Intensivstation hatte das Landgericht Oldenburg den ehemaligen Pfleger bereits 2015 zu lebenslanger Haft verurteilt. Er sitzt in der JVA Oldenburg.

mxw/AFP/dpa

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