Prozess um Patientenmorde Högel gesteht, leugnet, hat Erinnerungslücken

Der wegen 100-fachen Mordes angeklagte Ex-Pfleger Niels Högel hat vor Gericht ausgesagt, er könne sich nicht an seine erste Tat erinnern.

DPA

Im Prozess wegen 100-fachen Mordes hat der ehemalige Krankenpfleger Niels Högel eine Tötung gestanden und eine weitere bestritten. Bezogen auf den Tod eines Patienten im Juli 2000 sagte er: "Das ist einer der wenigen Patienten, bei denen ich sagen kann, dass ich da keine Manipulation vorgenommen habe."

Angesprochen auf seine mutmaßlich erste Tat im Februar 2000 auf einer Intensivstation in Oldenburg, berief er sich auf Erinnerungslücken. Er könne zu dem Tod der Patientin nichts sagen, erklärte der 41-Jährige am Mittwoch vor dem Landgericht.

Der frühere Krankenpfleger ist wegen des Todes von sechs Patienten in Delmenhorst bereits zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt worden. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm in dem neuen Prozess vor, 100 Patienten in Oldenburg und Delmenhorst zwischen Februar 2000 und Juli 2005 zu Tode gespritzt zu haben.

Am zweiten Prozesstag am Mittwoch begannen die Richter damit, den Angeklagten zu jeder einzelnen Tat zu befragen. Dies sei notwendig, um jeden Fall aufzuklären und jeweils die Schuld festzustellen, sagte der Vorsitzende Richter Sebastian Bührmann.

Chronologie: Der Fall Högel
1999 - 2002
Niels Högel arbeitet im Klinikum Oldenburg.
2002 - 2005
Der Pfleger arbeitet auf der Intensivstation im Klinikum Delmenhorst.
Juni 2005
Eine Krankenschwester ertappt Högel im Klinikum Delmenhorst auf frischer Tat, als er einem Patienten ein Mittel verabreichen will, das dieser gar nicht bekommen soll.
2006
Das Landgericht Oldenburg verurteilt Niels Högel wegen versuchten Totschlags zu fünf Jahren Haft. Der Bundesgerichtshof kippt das Urteil.
Juni 2008
In der Neuauflage des Prozesses verurteilt das Landgericht Oldenburg Högel zu siebeneinhalb Jahren Haft wegen Mordversuchs.
Januar 2014
Die Staatsanwaltschaft erhebt erneut Anklage gegen Högel, der Prozess beginnt im September.
November 2014
Eine Sonderkommission der Polizei ermittelt. Sie geht inzwischen mehr als 200 Verdachtsfällen nach.
Januar 2015
Högel gesteht vor Gericht etwa 90 Taten. Bis zu 30 Patienten sollen gestorben sein.
Februar 2015
Das Landgericht Oldenburg verurteilt Högel wegen zweifachen Mordes, zweifachen Mordversuchs und gefährlicher Körperverletzung an Patienten in Delmenhorst zu lebenslanger Haft.
Juni 2016
Ermittler geben bekannt, dass Niels Högel für Dutzende Todesfälle am Klinikum Delmenhorst verantwortlich ist. Högel gestand bei der Polizei, auch am Klinikum Oldenburg Patienten getötet zu haben.
August 2017
Niels Högel hat nach neuen Angaben der Ermittler 84 weitere Menschen auf dem Gewissen. Die Zahl der Todesfälle liege vermutlich sogar weit höher; viele Patienten seien jedoch eingeäschert worden und können nicht mehr untersucht werden.
Oktober 2018
In Oldenburg beginnt erneut ein Prozess gegen Högel. Dem bereits wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilten Mann werden 99 weitere Taten vorgeworfen, ein 100. mutmaßlicher Mord ist zur Anklage gebracht und könnte später in den Prozess eingebunden werden.

ala/dpa

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