Prozess gegen Patientenmörder Staatsanwaltschaft fordert lebenslange Haft für Niels Högel

Im Prozess gegen den Patientenmörder Niels Högel hat die Staatsanwaltschaft eine lebenslange Haftstrafe gefordert. Zudem verlangte die Anklage, die besondere Schwere der Schuld festzustellen.

Patientenmörder Niels Högel: Die Staatsanwältin hält seine Geständnisse für glaubhaft
Hauke-Christian Dittrich/DPA

Patientenmörder Niels Högel: Die Staatsanwältin hält seine Geständnisse für glaubhaft


Wegen 97 Morden soll der Ex-Krankenpfleger Niels Högel lebenslang in Haft. Das hat die Staatsanwaltschaft gefordert.

Zugleich beantragte Oberstaatsanwältin Daniela Schiereck-Bohlmann vor dem Landgericht Oldenburg die Feststellung der besonderen Schwere der Schuld. In drei der insgesamt angeklagten 100 Fälle sah sie dagegen keine hinreichenden Beweise für eine Mordtat Högels.

Högel habe aus Heimtücke und niederen Beweggründen die Arg- und Wehrlosigkeit derer ausgenutzt, die als Patienten besonderen Schutz bedurften, sagte die Anklagevertreterin in ihrem mehrstündigen Plädoyer. Der Angeklagte habe sich eines Lügenmodells bedient, Vorgänge bestritten und nur mit zunehmender Beweislast nach und nach Taten eingeräumt, sagte Schiereck-Bohlmann. Es gebe aber keine grundsätzlichen Zweifel an der Glaubhaftigkeit der von Högel abgelegten Geständnisse.

Oberstaatsanwältin Daniela Schiereck-Bohlmann: "Allein die Aussage 'Größter Serienmörder der Geschichte' reicht nicht aus, ihn zu verurteilen"
DPA

Oberstaatsanwältin Daniela Schiereck-Bohlmann: "Allein die Aussage 'Größter Serienmörder der Geschichte' reicht nicht aus, ihn zu verurteilen"

Högel hatte in dem Prozess 43 der 100 Taten eingeräumt und fünf bestritten. An die übrigen konnte er sich eigenen Angaben zufolge nicht erinnern. Er schloss aber nicht aus, diese Patienten getötet zu haben.

Der 42-jährige Högel muss sich seit Ende Oktober 2018 vor dem Gericht verantworten. Er soll seine 34 bis 96 Jahre alten Opfer in den Jahren 2000 bis 2005 an den Kliniken Oldenburg und Delmenhorst mit verschiedenen Medikamenten zu Tode gespritzt haben. Wegen des Todes von sechs Patienten auf der Delmenhorster Intensivstation war er bereits 2015 zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt worden.

Plädoyerberechtigt sind neben der Staatsanwaltschaft insgesamt 17 Nebenklagevertreter sowie die beiden Verteidigerinnen Högels. Das Urteil wird am 6. Juni erwartet.

sen/AFP/dpa

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