Minderjährige Braut in Nigeria 14-Jähriger droht Todesstrafe wegen Mordes

Kurz nach ihrer Hochzeit tötet Wasila Tasi'u aus Nigeria ihren über 20 Jahre älteren Ehemann und drei weitere Menschen mit Rattengift. Wegen Mordes droht dem Mädchen nun die Todesstrafe. Der Fall spaltet das Land.
Sani Garba, Vater des getöteten Bräutigams, mit einem Bild seiner Schwiegertochter Wasila Tasi'u: "Wir können ihr nicht vergeben"

Sani Garba, Vater des getöteten Bräutigams, mit einem Bild seiner Schwiegertochter Wasila Tasi'u: "Wir können ihr nicht vergeben"

Foto: AMINU ABUBAKAR/ AFP

Lagos/Hamburg - Wasila Tasi'u war 14 Jahre alt, als sie zwei Wochen nach einer mutmaßlichen Zwangsheirat ihren Ehemann und drei weitere Menschen mit Rattengift tötete. Nun droht ihr in Nigeria wegen Mordes die Todesstrafe. Sollte sich der Verdacht bestätigen, müsse das Mädchen mit dem Tod bestraft werden, sagte Staatsanwalt Lamido Abba Soron-Dinki vor einem Gericht in der Stadt Gezawa im Norden Nigarias. Er deutete an, dass die Anklage die Höchststrafe fordern werde.

Schauplatz des Dramas war im April das Dorf Unguwar Yansoro, rund 60 Kilometer von Nigerias zweitgrößter Stadt Kano entfernt. Nach Darstellung der Polizei mischte Tasi'u bei einem Fest rund zwei Wochen nach ihrer Hochzeit Rattengift ins Essen. Ihr Ehemann und ein weiterer Gast kamen laut "Daily Mirror" noch am selben Tag um . Später starben zwei weitere Menschen im Krankenhaus, die ebenfalls von dem vergifteten Reis gegessen hatten.

Der Fall der Wasila Tasi'u sorgt landesweit für Aufsehen. Vor allem im mehrheitlich christlichen Süden Nigerias wurde der Prozess gegen das Mädchen scharf kritisiert. Menschenrechtler forderten die Freilassung der 14-Jährigen, die als Opfer von Zwangsheirat und Vergewaltigung anzusehen sei. Die Familien des Mädchens und des getöteten Mannes bestreiten allerdings, dass die Ehe gegen den Willen der Jugendlichen vollzogen wurde.

Das Mädchen äußerte sich nicht zu den Vorwürfen. Der Richter stellte daraufhin fest, die Angeklagte plädiere auf nicht schuldig. Das Verfahren wurde anschließend auf den 26. November vertagt.

Verteidigerin fordert Verfahren vor Jugendgericht

Der Vater Tasui Mohammed hatte im August versichert, seine Tochter sei alt genug gewesen für die Hochzeit und habe sich ihren Bräutigam sogar selbst ausgesucht. "Für uns ist sie kein Kind, es ist hier üblich, Mädchen mit 14 Jahren zu verheiraten", sagt auch der Vater des toten Bräutigams, Sani Garba. "Wir können ihr nicht vergeben." Der Polizeisprecher des Staates Kano, Musa Magajia Majia, ist hingegen überzeugt, dass Tasi'u aus Verzweiflung tötete, "weil sie von ihren Eltern gezwungen wurde, einen Mann zu heiraten, den sie nicht liebte".

Die Zwangsheirat zwischen jungen Mädchen und deutlich älteren Männern ist vor allem in ländlichen Gegenden im mehrheitlich muslimischen Norden Nigerias ein großes Problem. Die Rechtslage ist kompliziert, denn in der Region trat im Jahr 2000 das islamische Recht der Scharia in Kraft, das nach Ansicht mancher Gelehrter die Heirat Minderjähriger erlaubt. Gleichzeitig gilt aber auch im Norden des Landes das nigerianische Bundesrecht.

Die Anwältin der Angeklagten betonte, für sie stehe das Problem der Zwangsheirat nicht im Vordergrund. Wasila dürfe wegen ihres Alters nicht wegen Mordes angeklagt werden, betonte Hussaina Aliyu. Sie verlangte, dass ihre Mandantin vor ein Jugendgericht gestellt wird. In Nigeria gelten Heranwachsende mit 17 Jahren als volljährig. In den zwölf nördlichen Bundesstaaten, wo das islamische Recht angewandt wird, können allerdings auch unter 17-Jährige als strafmündig betrachtet werden.

brk/AFP
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