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04. Juni 2019, 17:19 Uhr

Voodoo und Zwangsprostitution

Schlag gegen nigerianische Menschenhandel-Mafia

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In Hessen hat die Polizei zwei mutmaßliche Menschenhändler festgenommen. Nach SPIEGEL-Informationen handelt es sich um Mitglieder der nigerianischen Mafia. Die Opfer wurden offenbar mit Voodoo-Ritualen eingeschüchtert.

Ermittler des Polizeipräsidiums Südhessen sind am Dienstag gegen Mitglieder der nigerianischen Mafia vorgegangen. Nach SPIEGEL-Informationen durchsuchten Fahnder zwei Wohnungen in Darmstadt und nahmen zwei Personen fest.

Den nigerianischen Staatsangehörigen Juliet O., 40, und Osaretin E., 37, wird gewerbsmäßiger Menschenhandel in vier Fällen und Beihilfe zu Verstößen gegen das Aufenthaltsgesetz vorgeworfen. Sie sollen insbesondere an der Schleusung von Frauen nach Deutschland beteiligt gewesen sein, die in Nigeria angeworben wurden.

Das Geld für die Schleusungen musste von den Frauen demnach in verschiedenen Bordellen im Bundesgebiet abgearbeitet werden. In ihrer Heimat sollen die Frauen in einer einschüchternden Voodoo-Zeremonie auf die Rückzahlung des Geldes eingeschworen worden sein.

Für Osaretin E. und Juliet O. ordnete ein Ermittlungsrichter Untersuchungshaft an. Laut Angaben der Staatsanwaltschaft Darmstadt lief das Ermittlungsverfahren mit dem internen Namen "Voodoo" bereits seit einem Jahr. Unterstützt wurde es durch Beamte des Bundeskriminalamtes (BKA).

BND warnt: "Äußerst brutal"

Nigerianische Tätergruppen sind in Deutschland insbesondere beim Menschenhandel auf dem Vormarsch. In einer vertraulichen Analyse warnt der Bundesnachrichtendienst (BND) vor der Ausbreitung von "äußerst brutal agierenden nigerianischen Strukturen der organisierten Kriminalität".

2018 haben mehr als 10.000 Nigerianer einen Asylantrag in Deutschland gestellt, das bedeutete eine Steigerung um 30 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Experten des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (Bamf) und der Bundespolizei führen diese Entwicklung vor allem auf die sogenannte Sekundärmigration innerhalb Europas zurück. Demnach kommen viele nigerianische Flüchtlinge aus Italien, wo inzwischen mehr als 100.000 Menschen aus dem afrikanischen Land registriert sind.

Im Video: Frauenhandel in Nigeria: Mit Voodoo-Zauber ans Bordell gefesselt

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