Augenzeugen in Nizza "Die Menschen sind weggeflogen wie Bowling-Kegel"

Nach der Lkw-Attacke in Nizza melden sich im Netz zahlreiche Augenzeugen. Sie berichten von dramatischen Szenen.

Gestoppter LKW (mit Einschusslöchern)
AP

Gestoppter LKW (mit Einschusslöchern)


Der schnelle Überblick
    Das ist passiert:
  • • Im südfranzösischen Nizza ist ein Mann mit einem Lkw in eine Menschenmenge gerast, über zwei Kilometer hinweg überfuhr er Passanten.

  • • Laut Innenministerium starben mindestens 84 Menschen, darunter auch drei Deutsche. Viele weitere Menschen wurden verletzt.

  • • Der mutmaßliche Attentäter wurde erschossen. Die Hintergründe sind noch unklar, die Anti-Terror-Staatsanwaltschaft ermittelt.

• Die Tat ereignete sich an der Promenade des Anglais: Dort hatten sich am Donnerstagabend viele Menschen versammelt, um den französischen Nationalfeiertag zu feiern.

Die Tat geschah am späten Abend an der Promenade des Anglais im südfranzösischen Nizza: Ein Mann steuerte mit seinem Lkw in eine Menschenmenge, auf einer Strecke von zwei Kilometern überfuhr er Passanten. Insgesamt sollen mindestens 84 Menschen gestorben sein. Der französische Präsident François Hollande sprach im Zusammenhang mit der Tat von einem "terroristischen Charakter".

Der mutmaßliche Attentäter wurde erschossen. In Nizza hatten sich am französischen Nationalfeiertag viele Menschen versammelt, um gemeinsam ein Feuerwerk anzuschauen. Als das Attentat geschah, gab es erschütternde Szenen. Im Netz melden sich zahlreiche Augenzeugen. Wir haben einige Aussagen zusammengestellt.

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Nizza: Attacke am Nationalfeiertag

Damien Allemand, Journalist:

"Ein riesiger weißer Lastwagen (ist) in wahnsinniger Geschwindigkeit vorbeigerast. Dabei hat er immer wieder gelenkt, um möglichst viele Menschen niederzumähen. (...…) Dieser Lastwagen des Todes ist nur wenige Meter an mir vorbeigefahren, und ich habe ihn noch nicht einmal realisiert. Die Menschen in seinem Weg sind wie Bowling-Kegel weggeflogen. (...…) Ich war starr vor Angst."

Richard Gutjahr, Journalist:

"Ich stand auf dem Balkon meines Hotelzimmers. Das Feuerwerk zum Nationalfeiertag war gerade vorüber. Plötzlich rollte ein weißer Lkw vorbei. Das passte nicht ins Bild, denn die Straßen waren für alle Fahrzeuge gesperrt. Der Lastwagen fuhr sehr langsam, einige Leute haben gebrüllt. (...) Ein Motorradfahrer fuhr an den Lkw heran und versuchte vergeblich, während der Fahrt die Fahrertür zu öffnen. Das war wie in einem Kinofilm. An der Kreuzung haben Polizisten das Feuer eröffnet, dann hat der Fahrer Gas gegeben und die ersten Menschen überfahren. Ob wegen der Schüsse oder ob er es genauso geplant hat, kann ich nicht beurteilen."

Janine Konopka, SWR-Reporterin:

"Das Feuerwerk war gerade 5 Minuten maximal zu Ende und das ist genau der Punkt, wo dann die Leute danach auf die Straße gehen, um zu tanzen. (...…) Ich habe nur Schreie gehört und einen Wahnsinns-Zug, der auf uns zukam. (...…) Und habe einfach 'Achtung' geschrien und hab meine Mutter auf die Seite geschubst und natürlich auf den Boden. (...…) Der Lkw hat mich auch am Bein noch ein bisschen gekriegt. Aber alle anderen, die neben mir standen oder hinter mir, sind entweder sehr, sehr schwer verletzt oder auch gestorben."

Kristen Crouch, Augenzeugin in Nizza und Dallas in der Vorwoche:

"Ich hörte zwei Mal einen Knall. Zuerst habe ich mir nichts dabei gedacht, aber dann rannten plötzlich alle Menschen in die Gegenrichtung, sprachen französisch und schrien. (...…) Es ist wirklich traurig, wenn man innerhalb einer Woche zweimal bei Facebook als ,sicher' markiert wird."

Dominique Molina, zum Tatzeitpunkt auf ihrem Hotelbalkon:

"Ich umklammerte meinen 14-jährigen Sohn, und ich fühlte, dass ich ihn beschützen müsse vor den Bildern. (...…) Er ist wirklich erschüttert. (...…) Wenige Momente nach den Schüssen wurde alles sehr ruhig, schaurig ruhig, dann hörte man ein Jammern, ein Schreien, ein Weinen."

Ismail Khalidi, US-palästinensischer Schriftsteller:

"Wir sahen einen Mann, der seine Kinder über einen Zaun warf und dann hinterher sprang. (…...) Menschen, die auf uns zukamen, sagten, die Polizei habe ihnen gesagt zu rennen, ohne zu sagen warum. Und so rannten die Menschen um ihr Leben ohne eine andere Information."

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