Spektakulärer Entführungsfall in Nizza Dame, Paparazzo, Koch, Spion

Eine bunt zusammengewürfelte Bande soll in Cannes die Besitzerin eines Luxushotels entführt haben. 2013 scheiterte ein Versuch, die Frau zu kidnappen. Die Polizei prüft einen Zusammenhang.

AFP

Die Details des Falls klingen, als hätte jemand in den Aufzeichnungen eines Hollywood-Autoren gestöbert: Die 76-jährige Besitzerin eines Nobelhotels im französischen Nizza wird auf offener Straße von drei Maskierten entführt. Die Kidnapper fordern eine hohe Summe von der Familie. Zwei Tage später findet ein Passant die Frau gefesselt und geknebelt in einem Van - und befreit die ältere Dame.

Dann nimmt die Polizei die mutmaßlichen Mitglieder der Bande fest. Unter anderem gehören dazu: der italienische Manager eines Michelin-prämierten Restaurants, ein Paparazzo mit dem Spitznamen "Tintin" und ein britischer Ex-Spion, der jetzt als Obdachloser im Zelt lebt.

Das Verbrechen fand aber nicht auf einer Leinwand statt, sondern beschäftigt gerade die französische Justiz. Opfer der Tat wurde laut dem britischen "Guardian" die Besitzerin des "Grand Hôtel" in Cannes, Jacqueline Veyrac.

"Ein sehr komplizierter Fall"

Der Nizzaer Staatsanwalt Jean-Michel Prêtre ordnete am Wochenende Untersuchungshaft für die Gruppe von sechs Tatverdächtigen an. Außerdem wird noch ein weiterer Mann festgehalten: ein ehemaliger Polizist, der nun als Privatdetektiv arbeitet und seine früheren Kollegen nicht schnell genug eingeschaltet haben soll.

Die Vorwürfe lauten auf Entführung, Freiheitsberaubung und Erpressung. "Nach 96 Stunden waren wir noch nicht in der Lage, die Verhöre abzuschließen", sagte Prêtre. Der Fall sei sehr kompliziert, den Verdächtigen drohe im Höchstfall eine lebenslängliche Haftstrafe. Einige der Beschuldigten haben demnach mittlerweile ein Geständnis abgelegt, andere würden jedwede Beteiligung an dem Verbrechen abstreiten.

Die Verdächtigen sollen Veyrac am Montag vergangener Woche entführt haben - laut "Guardian", als sie eine Apotheke verließ. Die Männer hätten die 76-Jährige gefesselt sowie ihre Augen und ihren Mund mit Klebeband verschlossen, sagte Prêtre. Veyrac habe sich befreien können, beinahe sei ihr die Flucht aus dem Lieferwagen geglückt.

Paparazzi mit Ortungsgerät

Einer der Männer, der Paparazzi mit Spitznamen "Tintin", ist der Justiz dabei kein Unbekannter. Er wurde laut der Zeitung "Nice Matin" 2005 zu einer Geldstrafe verurteilt, weil er 1996 heimlich Bilder von Prinzessin Caroline von Monaco aufgenommen hatte. Laut dem Bericht soll er ein Ortungsgerät unter dem Geländewagen von Veyrac angebracht haben. Der britische Ex-Spion soll für die Bande Wache gestanden haben.

Den Ermittlern zufolge könnte es sich bei der Entführung um einen Racheakt des nun angeklagten italienischen Gastwirts Giuseppe S. handeln. Er betrieb von 2007 bis 2009 das Restaurant "La Réserve", das ebenfalls der Familie Veyrac gehörte, bis es pleite ging. S. bestreitet jedwede Beteiligung an der Entführung. Der finnische Koch des "La Réserve", der nach der Tat ebenfalls festgenommen worden war, ist mittlerweile wieder auf freiem Fuß.

Veyrac war bereits vor drei Jahren beinahe Opfer einer Entführung geworden. Die Ermittler prüfen nun eine mögliche Verbindung zwischen den beiden Vorfällen. Für den Durchhaltewillen der entführten 76-Jährigen, die leichte Verletzungen durch die Fesseln davontrug, fand Staatsanwalt Prêtre bewundernde Worte: "Sie hat nie aufgegeben, sie wehrte sich. Sie hat ihren außergewöhnlichen Charakter unter Beweis gestellt."

cnn/AFP



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