No Angel im Gefängnis Haftrichter sieht Wiederholungsgefahr bei Nadja Benaissa

No Angel unter Verdacht: Nadja Benaissa soll mit mehreren Personen ungeschützten Sex gehabt haben, obwohl sie wusste, dass sie HIV-positiv ist. Einer ihrer Partner könnte sich dabei angesteckt haben. Der Haftrichter geht bei der 26-Jährigen von Wiederholungsgefahr aus.

Offenbach - "Ich habe Aids nicht vergessen ... Und du?" Mit diesem markigen Slogan wirbt die No-Angels-Sängerin Lucy seit kurzem auf Plakaten für eine HIV-Aufklärungskampagne. Nun ist ihre Bandkollegin Nadja Benaissa, 26, festgenommen worden, weil sie einen Partner infiziert haben soll - mit dem gefährlichen HI-Virus.

Nach Auskunft der Staatsanwaltschaft Darmstadt besteht der "dringende Tatverdacht, dass die Beschuldigte in den Jahren 2004 und 2006 ungeschützten Geschlechtsverkehr mit drei Personen hatte, ohne diese zuvor darauf hinzuweisen, dass sie selbst HIV-positiv ist". Zumindest einer der drei habe sich angesteckt - "mutmaßlich in Folge des Kontakts". Es bestehe daher der Verdacht der gefährlichen Körperverletzung.

Der Mann erstattete laut einem Sprecher der Staatsanwaltschaft im vergangenen Jahr Anzeige. Er habe Ende 2007 oder Anfang 2008 erfahren, dass Benaissa HIV-positiv sei, sagte der Sprecher. Ein Test habe das Virus auch bei ihm bestätigt. Er schließt demnach aus, sich bei jemand anderem angesteckt zu haben. Die weiteren Ermittlungen hätten dann einen dringenden Tatverdacht gegen die Sängerin ergeben.

Die 26-Jährige wurde am Samstagabend vor einem geplanten Auftritt in einer Frankfurter Discothek gefasst. Nach SPIEGEL-Informationen hatten die Ermittler zuvor einige Male versucht, sie zu Hause abzufangen, sie jedoch nie angetroffen. Die Künstlerin sei inzwischen einem Richter vorgeführt worden, dieser habe Haftbefehl wegen "Wiederholungsgefahr" erlassen, teilte die Behörde mit.

Der Manager der No Angels, Khalid Schröder, wollte sich auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE zu den Vorgängen nicht äußern.

"Sehr intelligent, sehr eloquent"

Nadja Benaissa wird von Beobachtern der Musikszene als "sehr intelligent, sehr eloquent" beschrieben. "Allerdings ist es nicht so, dass sie diese Eigenschaften einsetzte, um innerhalb der Band den Ton angeben zu wollen", sagte ein Insider SPIEGEL ONLINE. "Bei Diskussionen wartet Nadja zum Beispiel am längsten, bis sie sich einmischt. Sie hört aufmerksam zu und bringt dann sehr überlegt ihre Argumente vor."

Benaissa sei ein introvertierter Typ, "man sieht sie fast nie ohne ein Buch in der Hand". Es gehe ihr nicht um den Starrummel, sondern um die Musik. "Deshalb war es für sie nicht dramatisch, als sich die No Angels 2003 vorläufig trennten. Sie will Musik machen - in welcher Form, in welcher Formation, ist zweitrangig." Die 26-Jährige sei ein Familienmensch, habe besonders zu ihrer Tochter ein inniges Verhältnis, "die beiden sind wie Freundinnen", sagte der Szenekenner.

Die No Angels waren nach ihrem Casting beim Gesangswettbewerb "Popstars" im Jahr 2000 die erfolgreichste deutsche Girlgroup der Musikgeschichte geworden. Bis zu ihrer vorläufigen Trennung 2003 landete die Band zahlreiche Nummer-Eins-Hits und verkaufte mehr als fünf Millionen Platten.

jdl/AP/AFP
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