Dutzende Tatverdächtige Polizei deckt Kinderporno-Netzwerke in Norwegen auf

Sie sollen Kinder vergewaltigt und sich im Darknet zu sexuellen Übergriffen verabredet haben: In Norwegen geht die Polizei gegen Dutzende Männer vor.

Norwegische Ermittler bei Pressekonferenz
DPA

Norwegische Ermittler bei Pressekonferenz


Die Polizei in Norwegen hat mehrere kinderpornografische Netzwerke im Internet aufgedeckt. Nach ersten Festnahmen am Montag fasste die Polizei auch in anderen Teilen des Landes Tatverdächtige. Bislang stehen 51 Männer unter Verdacht, Kinder missbraucht und Filmmaterial davon online verbreitet zu haben. Allein im Raum Bergen ermittelt die Polizei gegen 22 Männer.

Eine zentrale Rolle soll ein am Montag festgenommener Student gespielt haben. Der Vater des 23-Jährigen, ein Polizist, wurde suspendiert. Nach Angaben der Polizei verfügen viele der tatverdächtigen Männer über eine hohe Internetkompetenz, sie organisierten sich im sogenannten Darknet. Als Darknet wird ein Bereich des Internets bezeichnet, in dem sich die Nutzer fast komplett anonym bewegen können. (mehr über das Darknet lesen Sie hier).

Unter den Verdächtigen: Politiker und Polizisten

Auf entsprechenden Websites tauschten die Männer laut Polizei nicht nur kinderpornografisches Material aus, sie verabredeten sich auch zu Misshandlungen von Minderjährigen. "Die Sache ist erschreckend groß", sagte die Ermittlungsleiterin Hilde Reikrås dem Fernsehsender NRK. Insgesamt konnten die Beamten 5000 Benutzerkonten registrieren.

Seit Januar hatte ein Team von 25 Ermittlern das Vorgehen der Männer beobachtet. Sie tauschten demnach nicht nur kinderpornografisches Material aus, sondern verabredeten sich auch zu Misshandlungen von Kindern. Betroffen sind Opfer auf den Philippinen und in Norwegen. Die Polizei hat inzwischen einige von ihnen befragt.

150 Terrabytes Bilder, Filme und Chats seien beschlagnahmt worden. Darauf seien zum Teil sehr grobe Übergriffe zu sehen. Am Montag hatte die Polizei mitgeteilt, bereits 20 Männer festgenommen zu haben. Einige der Beschuldigten filmten demnach den Missbrauch ihrer eigenen Kinder. Unter den mutmaßlichen Tätern sind nach Polizeiangaben vom Sonntag ein Politiker, ein Vorschullehrer und ein Polizist.

Was ist das Darknet?
Was ist mit Darknet gemeint?
Wer im Internet surft, öffnet seinen Browser und kann dann Webseiten wie www.spiegel.de besuchen - oder er googelt Inhalte. Das Darknet, das "dunkle Netz", kann man sich demgegenüber als virtuellen Hinterraum vorstellen, der schwerer zu erreichen und anders gebaut ist als das offene Internet.

Dort gibt es keine zentralen Server. Stattdessen verbinden sich viele einzelne Computer zu Netzwerken. So entstehen exklusive Kreise, die Nutzer nicht einfach per Google-Suche finden. Es gibt also nicht nur ein Darknet, sondern viele solcher Netzwerke. Sie arbeiten unterschiedlich, aber das Ziel ist immer: Die Nutzer sollen anonym bleiben können. Die Daten in den Darknets werden in der Regel verschlüsselt übertragen, deshalb ist das Darknet schwer zu überwachen.

Doch auch dort gibt es Dinge, die Nutzer des World Wide Web (WWW) kennen dürften: Chaträume, soziale Netzwerke und Online-Shops voll illegaler Angebote, die zum schlechten Ruf beitragen.

Wie komme ich ins Darknet?
Wer in ein Darknet gelangen möchte, kann das nicht mit einem herkömmlichen Browser. Der dunkle Teil des Netzes ist nur über spezielle Software zu erreichen. Je nach Darknet ist der Zugang unterschiedlich kompliziert.

Das wohl bekannteste Darknet ist über den sogenannten Tor-Browser erreichbar. Viele nutzen ihn, um auch beim Surfen im WWW anonym zu bleiben. Tor nutzt dafür eine Technik namens "Onion Routing".

Anfragen werden dabei auf wechselnden Routen über verschiedene Server umgeleitet, die jeweils nicht das eigentliche Ziel kennen. Nach dem Passieren verschiedener Stationen gelangt die Kommunikation über einen Exit-Knoten wieder ins Netz. Sender und Empfänger sollen so anonym bleiben. In der Vergangenheit sind dennoch immer wieder Tor-Nutzer enttarnt worden.

Vom WWW abgesehen, kann man mit den Tor-Browser Seiten aufrufen, auf die man mit normalen Browsern keinen Zugriff hat. Im Darknet existieren nämlich sogenannte Hidden Services. Das sind in der Regel anonym betriebene Webseiten und Server, die nicht über die IP-Adresse oder eine klassische Adresse wie google.de oder spiegel.de angesteuert werden. Hidden-Service-Adressen enden auf .onion und bestehen aus langen Zahlen- und Buchstabenkombinationen. Derzeit gibt es über 50.000 .onion-Adressen. Um sich zurechtzufinden, gibt es für Interessenten an den Seiten unter anderem eine Art Wikipedia zur Übersicht.

Wer benutzt das Darknet?
Das per Tor erreichbare Darknet hat einen ziemlich schlechten Ruf als Ort für Kriminelle. Dabei ist der vermeintlich dunkle Teil des Netzes nicht illegal - zumindest solange nicht, bis man dort etwas Illegales tut.

Auf großen Darknet-Markplätzen werden allerdings viele illegale Geschäfte abgewickelt. Die 2013 geschlossene Silk Road war so ein Ort. Waffen- und Drogenhändler und auch Pädophile nutzen die technischen Möglichkeiten durchaus für ihre Zwecke.

In den Online-Shops können Kunden und Händler nur schwer belangt werden, bezahlt wird auf Darknet-Marktplätzen oft mit der Krypto-Währung Bitcoin. Um Bitcoin zu bekommen, gibt es gesonderte Onlinebörsen, wo man sein Geld in die Krypto-Währung umtauschen kann.

Doch die Anonymität, die ein Darknet bietet, ist auch ein Segen für Menschen in autoritär regierten Ländern, die sich vor Überwachung durch das Regime schützen wollen. Chinesische Dissidenten benutzen Darknet-Netzwerke genauso wie Journalisten oder Whistleblower. Auch viele ganz normale Webseiten haben Tor-Adressen, Facebook zum Beispiel ist unter https://facebookcorewwwi.onion/ zu erreichen.

Ist das Darknet das Gleiche wie das Deep Web?
Die Begriffe Darknet und Deep Web werden häufig synonym verwendet. Streng genommen gibt es zwischen Dark- und Deep Web aber einen Unterschied: den Zugangsweg. Deep-Web-Seiten lassen sich über einen normalen Browser aufrufen, Darknet-Seiten nicht.

Wenn man sich einen Eisberg vorstellt, ist das WWW die sichtbare Spitze über Wasser. Unter Wasser gibt es aber noch einen großen anderen Bereich: das Deep Web. Man findet es, wenn man weiß, wie man hinkommt.

Auch das Deep Web wird nicht nur für illegale Sachen genutzt: Große Teile des Deep Webs sind sogar unspektakulär und bestehen zum Beispiel aus riesigen Informationsdatenbanken, passwortgeschützten Seiten und solchen, die nicht für Suchmaschinen gelistet sind und die bei einer Suche folglich nicht angezeigt werden.

Kann man eine Seite also mit einem normalen Browser und ohne Zusatzsoftware öffnen, liegt sie vielleicht im Deep Web, aber nicht im Darknet.

mxw/dpa

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