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24. Januar 2012, 18:29 Uhr

Norwegischer Attentäter Breivik

Ein Rechner für den Killer?

Aus der Haft heraus kämpft der norwegische Attentäter Anders Breivik um Zugang zu einem Computer. Bisher sagte ihm die Polizei das Gerät nur bis zur Urteilsverkündung zu. Sie will verhindern, dass der Massenmörder Kapital aus seinen Taten schlägt.

Oslo - Darf ein Massenmörder einen Computer besitzen? Diesen Streit trägt Anders Breivik zurzeit mit den norwegischen Justizbehörden aus. Wie ein Polizeisprecher am Dienstag der Zeitung "Aftenposten" sagte, verweigert der 32-Jährige derzeit jede Aussage, weil ihm die Polizei nicht die Nutzung eines Computers mit Textverarbeitungssoftware garantieren will.

Breivik hat am 22. Juli vergangenen Jahres 77 Menschen bei zwei Anschlägen in Oslo und auf der Insel Utøya getötet. Er ist seitdem in der Haftanstalt Ila nördlich von Oslo in Untersuchungshaft und wurde von zwei Gerichtspsychiatern für nicht zurechnungsfähig erklärt. Er soll ab 16. April vor Gericht stehen. Die Polizei will die Garantie für einen PC nur bis zu einem möglichen Urteil geben, damit sich Breivik in dieser Zeit auf das Verfahren vorbereiten kann.

Der Sender NRK berichtete am Montag, das norwegische Justizministerium erwäge ein Gesetz nach US-Vorbild, das es Verurteilten unmöglich macht, Geld mit Büchern oder anderen Veröffentlichungen über ihre schweren Verbrechen einzunehmen. Auslöser seien Berichte gewesen, wonach der rechtsradikale Islamhasser schon jetzt an einem Buch über den Bombenanschlag mit acht Toten in Oslo und das Massaker auf Utøya schreiben soll.

Am Dienstag wurde die Klage eines Elternpaares gegen NRK bekannt, weil der Sender noch während des Massakers auf Utøya die 20-jährige Tochter des Paares auf deren Handy angerufen und interviewt hatte. Die junge Frau hatte dabei nach Angaben der Online-Zeitung "VG Nett" unter anderem gesagt: "Ich kann nur flüstern." Als ihre Aussage über die eigenen verzweifelten Fluchtversuche von NRK veröffentlicht wurde, hatte Breivik die junge Frau getötet. Der Sender bedauerte das eigene Vorgehen.

jbr/dpa

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