Norwegischer Attentäter Richter unterbrechen wirre Breivik-Tirade

Er nannte sich "Befehlshaber" des norwegischen Widerstands, dann stoppte ihn der Richter: Beim ersten öffentlichen Haftprüfungstermin versuchte der Attentäter Anders Breivik, sein Verbrechen zu rechtfertigen. "Ich räume die Taten ein, bekenne mich aber nicht schuldig."

REUTERS/ Scanpix Sweden

Oslo - Es war sein erster öffentlicher Auftritt vor Gericht, und Anders Breivik wollte ihn nutzen. Der Attentäter aus Norwegen setzte zu einer Rede an, die der Richter nach wenigen Worten unterbrach. Das berichtet die Nachrichtenagentur NTB aus dem Gerichtssaal.

"Ich bin der Befehlshaber der Norwegischen Widerstandsbewegung und des Templerordens. Ich lehne das Gericht ab, weil es sein Mandat von Institutionen hat, die eine Ideologie des Hasses unterstützen und den Multikulturalismus", sagte Breivik, der in einem dunklen Anzug, weißem Hemd und hellblauer Krawatte erschienen war. "Ich räume die Taten ein, bekenne mich aber nicht schuldig."

Das Gericht entschied, dass Breivik weitere zwölf Wochen mit weitgehendem Kontaktverbot in Untersuchungshaft verbringen muss. Es kam damit einem Antrag der Staatsanwaltschaft nach.

Mehrere Dutzend Angehörige der insgesamt 77 Opfer Breiviks sowie Journalisten waren anwesend. Hinterbliebene hatten am Wochenende in einer gemeinsamen Erklärung gegen einen von Medien erzeugten "Zirkus" um Breivik protestiert.

Mildernde Umstände?

Der Attentäter hatte am 22. Juli zunächst im Regierungsviertel von Oslo eine Autobombe gezündet und damit acht Menschen getötet. Anschließend erschoss er in einem Sommerlager der Arbeiterpartei auf der Insel Utøya 69 überwiegend jugendliche Teilnehmer.

Ende Oktober war bekannt geworden, dass Breiviks Anwälte beim bevorstehenden Prozess Anfang 2012 "mildernde Umstände" geltend machen und ein geringeres Strafmaß durchsetzen wollen. Die Osloer Zeitung "VG" berichtete, die Verteidiger Geir Lippestad und Vibeke Hein Bæra wollten erwirken, dass Breivik nicht die in Norwegen geltende Höchststrafe von 21 Jahren absitzen muss. Dabei würden sie als mildernde Umstände unter anderem anführen, dass Breivik die Tat umgehend gestanden und der Polizei nach seiner Festnahme umfassend Auskunft gegeben habe.

Bei der Tötung von überwiegend jugendlichen Teilnehmern des sozialdemokratischen Sommerlagers auf Utøya habe er außerdem Kinder verschont. Er habe der Polizei zudem zweimal von sich aus per Telefon angeboten, das Massaker zu beenden. Die alarmierten Anti-Terror-Einheiten waren erst eine Stunde nach Beginn des Mordens eingetroffen. Sie konnten Breivik ohne Gegenwehr festnehmen.

Das Urteil im Fall Breivik soll im Sommer vor dem ersten Jahrestag der Anschläge fallen. Bis Dezember wird ein rechtspsychiatrisches Gutachten zur Zurechnungsfähigkeit Breiviks erwartet.

jbr/AP/reuters

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ArnoNyhm1984 14.11.2011
1. nicht zurechnungsfähig
Zitat von sysopEr nannte sich "Befehlshaber" des norwegischen Widerstands, dann stoppte ihn der Richter: Beim ersten öffentlichen*Haftprüfungstermin versuchte der Attentäter Anders Breivik, sein*Verbrechen zu rechtfertigen. "Ich räume die Taten ein, bekenne mich aber nicht schuldig." http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,797587,00.html
Wahrscheinlich wird er sein "nicht schuldig" auch bekommen -weil er mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit geisteskrank ist und damit dann nicht "nur" 21 Jahre im Gefängnis, sondern zeitlebens in die Irrenanstalt weggesperrt wird.
MarkusRiedhaus 14.11.2011
2. Unwahrscheinlich...
Zitat von ArnoNyhm1984Wahrscheinlich wird er sein "nicht schuldig" auch bekommen -weil er mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit geisteskrank ist und damit dann nicht "nur" 21 Jahre im Gefängnis, sondern zeitlebens in die Irrenanstalt weggesperrt wird.
Ein vorläufiges Gutachten hat ihn bereits für voll zurechnungsfähig erklärt. Wäre es anders müsste man jede Form von ideologischen Extremismus und Fundamentalismus generell als Geisteskrankheit einstufen. Viel Spaß bei dem Versuch.
Marcus_XXL, 14.11.2011
3. Offensichtlich krank!
Es ist doch offensichtlich, dass er nicht Herr seiner Sinne ist. Was soll dieser Schauprozess gegen einen eindeutig kranken Menschen?
jupiter999 14.11.2011
4. Und das ...
... ist der Grund warum man nicht allzu versessen darauf war Bin Laden gefangen zu nehmen. Vielleicht begreifen das jetzt einige denn das war nicht das letzte mal das er sich so äußern wird. Derartig bösartige Menschen gefangen in ihrer eigenen Trutzburg aus Hass und auf sich selbst projezierten wahnhaft Messianischen Weltrettungskomplex der alle Mittel heiligt kann man nicht offentlich den Prozess machen ohne das sie jede Gelegenheit nutzen werden ihren Wahn in Selbstdarstellung zu profilieren die Opfer und ihre Angehörigen zu verhöhnen und über die Augen und Ohren der Medien zu versuchen sich selbst als tragischer Held darzustellen um Nachahmer zu ermutigen. Die Familien der Opfer werden noch mehr geschunden und gedemütigt werden. Norwegen würde gut daran tun die Öffentlichkeit wo auch immer nur möglich vom Prozess auszuschließen. Denn die Familien der Opfer wünschen sich schon er hätte sich nicht ergeben und wäre erschossen worden, daran hab ich keinen Zweifel.
ruplanb 14.11.2011
5. ich bin der Titel
Zitat von sysopEr nannte sich "Befehlshaber" des norwegischen Widerstands, dann stoppte ihn der Richter: Beim ersten öffentlichen*Haftprüfungstermin versuchte der Attentäter Anders Breivik, sein*Verbrechen zu rechtfertigen. "Ich räume die Taten ein, bekenne mich aber nicht schuldig." http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,797587,00.html
"Der Befehlshaber" des norwegischen Templerordens erklärt sich vorher als nicht besonders religiös. Manche verblöden durch das Internet in unglaublichem Ausmaß.
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