Prozess in Siegen 15-Jähriger gesteht Tötung eines Mitschülers

Im Sauerland wurde vergangenen Oktober ein 16-Jähriger getötet. Vor Gericht hat ein Mitschüler die Tat gestanden - es ging offenbar um nicht erwiderte Liebe.

Absperrung in der Nähe des Tatorts in Wenden, Nordrhein-Westfalen
Roland Weihrauch/ DPA

Absperrung in der Nähe des Tatorts in Wenden, Nordrhein-Westfalen


Ein 15-Jähriger hat vor dem Landgericht Siegen zugegeben, einen Mitschüler umgebracht zu haben. Das sagte sein Verteidiger laut der Nachrichtenagentur dpa und der "Siegener Zeitung". Das Verfahren findet unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt.

Laut Anklage sollen der damals 14-jährige und sein späteres Opfer am 30. Oktober die Schule geschwänzt und sich zu einer Aussprache im Waldstück getroffen haben. Der Angeklagte habe schon mit 13 Jahren seine homosexuelle Neigung offenbart und sei in den Älteren verliebt gewesen.

Am Tag der Tat habe der 14-Jährige auf Sex gehofft. Der 16-Jährige erwiderte die Gefühle des Jüngeren aber nicht, es kam zum Streit. Der Jüngere reagierte mit Gewalt auf die Zurückweisung. Er würgte seinen Mitschüler laut Anklage, "bis Blut aus Mund und Nase austrat". Das Gesicht des Jugendlichen sei blau angelaufen.

Ein Feuerwehrmann fand die Leiche

Anschließend schleppte der 14-Jährige demnach die Leiche zu einem anderen Waldstück in der Nähe der Schule. Dort fand ein Feuerwehrmann den leblosen Körper am Abend des nächsten Tages bei einer Suchaktion. Der Vater des Opfers hatte seinen Sohn vermisst gemeldet.

Der 14-Jährige war zunächst als Zeuge befragt worden, verstrickte sich jedoch in Widersprüche. Mitschülern war zudem seine verdreckte und durchnässte Kleidung aufgefallen.

Am ersten Verhandlungstag äußerte sich der inzwischen 15-jährige nicht, sein Verteidiger verlas jedoch eine Erklärung. Der Anwalt machte keine Angaben über deren Inhalt - sagte der "Siegener Zeitung" jedoch, dass ein zentrales Element das Geständnis sei.

Jugendlicher "mit Verantwortungsreife"

Zur Frage der Schuldfähigkeit des Angeklagten sagte ein von der Staatsanwaltschaft beauftragter Gutachter, es handle sich um einen Jugendlichen "mit Verantwortungsreife". Er könne das Unrecht seiner Tat einsehen.

Auch das Gericht hat zu der Frage einen Sachverständigen bestellt, wie Sprecher Sebastian Merk sagte. Außerdem seien rund 30 Zeugen geladen, darunter die Eltern des Opfers, Schüler und Lehrer. Ob es erforderlich sei, alle Zeugen zu hören, sei angesichts des Geständnisses offen.

jpz/dpa

Mehr zum Thema


© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.