NSU 2.0 Verfasser von Drohmails kennt neue Adresse von Seda Basay-Yildiz

Die Anwältin Seda Basay-Yildiz wird seit 2018 vom NSU 2.0 bedroht. Nach einem Umzug haben der oder die Verfasser der Schreiben erneut Kenntnis ihrer privaten Adresse erlangt.
Seda Basay-Yildiz: Seit 2018 im Fokus von Drohbriefschreibern

Seda Basay-Yildiz: Seit 2018 im Fokus von Drohbriefschreibern

Foto: Boris Roessler/ picture alliance/dpa

Der oder die Drohbriefschreiber im Fall NSU 2.0 kennen nach SPIEGEL-Informationen die neue Adresse der Frankfurter Anwältin Seda Basay-Yildiz. Aus neuen Schreiben geht demnach hervor, dass die Daten dem oder den Verfassern bereits seit dem Frühjahr bekannt sind.

Basay-Yildiz hatte im Jahr 2018 die erste Drohbotschaft bekommen, die mit "NSU 2.0" unterschrieben war. Ihre persönlichen Daten waren zuvor von einem Polizeirevier in Frankfurt am Main abgerufen worden. Nach ihrem Umzug hätten die Ermittler jedoch keine entsprechenden Datenabfragen aus hessischen Polizeicomputern feststellen können, heißt es aus Polizeikreisen.

Zuerst hatte die "taz"  berichtet, dass der oder die Täter erneut an die privaten Daten der Juristin gelangt waren. Demnach war in einer E-Mail mit dem Absender "SS-Obersturmbannführer" die öffentlich nicht bekannte Adresse von Basay-Yildiz genannt worden. Das Schreiben sei nicht an die Anwältin direkt gerichtet gewesen und liege den Ermittlern seit Juli vor. Auch Basay-Yildiz selbst hat nach SPIEGEL-Informationen inzwischen neue Drohschreiben erhalten.

Abfragen von Polizeicomputern

Versendet wurde die Nachricht laut "taz" von einer E-Mail-Adresse des russischen Anbieters Yandex, die den Ermittlern zufolge von dem oder den Tätern benutzt wird.

Seit rund zwei Jahren werden rechtsextreme Drohschreiben mit dem Kürzel "NSU 2.0" verschickt. In insgesamt mindestens drei Fällen waren zuvor persönliche Daten der Betroffenen von hessischen Polizeicomputern abgefragt worden.

Hessens Innenminister Peter Beuth (CDU) schließt nicht aus, dass es ein rechtes Netzwerk in der hessischen Polizei geben könnte. Ein Sonderermittler wurde eingesetzt. Inzwischen gibt es laut Polizei zahlreiche Trittbrettfahrer, die im Zuge der Af­fä­re eben­falls rechts­ex­tre­me In­hal­te, Dro­hun­gen und Be­lei­di­gun­gen ver­schi­cken und sie mit "NSU 2.0" unterzeichnen.

Die Abkürzung NSU 2.0 verweist auf den "Nationalsozialistischen Untergrund", der zwischen 2000 und 2007 zehn Morde aus rassistischen Motiven in Deutschland verübte.

mab/bbr
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