NSU-Ermittlungen Bundesgerichtshof hebt Haftbefehl gegen André E. auf

Ein weiterer mutmaßlicher Unterstützer der Zwickauer Terrorzelle ist auf freiem Fuß: Der Bundesgerichtshof hat den Haftbefehl gegen André E. aufgehoben. Nach Ansicht der Richter besteht kein dringender Tatverdacht.
André E. E. auf dem Weg zum Haftrichter (Archiv): Frei aus Untersuchungshaft

André E. E. auf dem Weg zum Haftrichter (Archiv): Frei aus Untersuchungshaft

Foto: ddp images / dapd

Karlsruhe - Der Bundesgerichtshof hat den Haftbefehl gegen einen weiteren mutmaßlichen Unterstützer des "Nationalsozialistischer Untergrunds" (NSU) aufgehoben. André E., der an der Produktion des NSU-Bekennervideos mitgearbeitet haben soll, ist auf freiem Fuß. E. sei nicht dringend tatverdächtig, entschieden die Richter am Donnerstag in Karlsruhe.

Für die Staatsanwaltschaft hatte André E. als einziger der Verdächtigen das nötige Wissen, ein Bekennervideo zu erstellen. Er verfüge als Fachinformatiker über besondere EDV-Kenntnisse. Dieser Argumentation folgte der Bundesgerichtshof nicht. Der Film sei so geschnitten, dass auch "ein interessierter Laie hierzu in der Lage gewesen wäre", heißt es in der Begründung.

Ende Mai hatte der BGH bereits den Haftbefehl gegen den mutmaßlichen NSU-Helfer Holger G. aufgehoben. Wenige Tage später wurden auch Carsten S. und Matthias D. aus der Untersuchungshaft entlassen. Damit sitzen jetzt nur noch die Hauptverdächtige Beate Zschäpe und der mutmaßliche Unterstützer Ralf Wohlleben in Haft.

E. war am 24. November 2011 in Brandenburg festgenommen worden. Damals hatte der Generalbundesanwalt mitgeteilt, E. sei "dringend verdächtig, in zwei Fällen die terroristische Vereinigung 'Nationalsozialistischer Untergrund (NSU)' unterstützt zu haben". Zudem bestehe gegen ihn der dringende Verdacht der Volksverhetzung und der Beihilfe der Billigung von Straftaten. Den Ermittlungen zufolge stand E. seit dem Jahr 2003 in engem Kontakt zu den Mitgliedern der NSU.

Dem NSU werden bundesweit zehn Morde zur Last gelegt. Der Untersuchungsausschuss versucht herauszufinden, warum die Ermittlungen zur Mordserie über ein Jahrzehnt lang erfolglos verliefen.

ulz/dpa