NSU-Terror Sieben Städte beschließen gemeinsames Gedenken

Die Morde der Zwickauer Zelle sollen nicht vergessen werden: Die Bürgermeister von sieben deutschen Städten haben gemeinsam beschlossen, mit Gedenktafeln an die Opfer des "Nationalsozialistischen Untergrunds" zu erinnern.

Provisorische Gedenktafel für Mehmet Turgut: Sieben Städte gedenken gemeinsam
dapd

Provisorische Gedenktafel für Mehmet Turgut: Sieben Städte gedenken gemeinsam


Kassel - In sieben deutschen Städten soll mit einheitlichen Gedenktafeln an die Opfer der Neonazi-Mordserie in den Jahren 2000 bis 2007 erinnert werden. Die Oberbürgermeister von Kassel, Nürnberg, München, Rostock, Dortmund und Heilbronn sowie der Erste Bürgermeister von Hamburg betonten in einer gemeinsamen Erklärung, mit einer einheitlichen Botschaft und der namentlichen Nennung der Opfer würden die Morde "in angemessener Weise als Serie und erschreckende Taten von ausländerfeindlichem Charakter gekennzeichnet". Im vorigen Herbst konnten die Morde an neun Migranten und einer Polizistin der terroristischen Vereinigung "Nationalsozialistischer Untergrund" (NSU) zugeschrieben werden.

Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Maria Böhmer, sprach von einer "würdigen Form des Erinnerns". Die Entscheidung der sieben Stadtoberen sende ein wichtiges Signal: "Die Opfer und ihre Familien dürfen nicht aus dem Blick geraten." Deutschland gedenke jedes Mordopfers, unabhängig seiner Herkunft. Der Kampf gegen Fremdenfeindlichkeit und Rassismus dürfe nicht nachlassen.

"Wir sind bestürzt und beschämt"

Die Bürgermeister einigten sich darauf, dass die Gedenktafeln "in geeigneter Weise" in den sieben Städten aufgestellt oder aufgehängt würden. In Kassel soll dies an einem bislang namenlosen Platz geschehen, der demnächst nach dem dort vor sechs Jahren von den NSU-Mitgliedern getöteten Internet-Café-Betreiber Halit Yozgat benannt wird. In Heilbronn, wo vor fünf Jahren die Polizistin Michéle Kiesewetter ermordet wurde, werde am 25. April die bereits vorhandene Gedenktafel durch die neue ersetzt, hieß es.

Nach Mitteilung der Stadt Kassel lautet der Text der Inschrift: "Neonazistische Verbrecher haben zwischen 2000 und 2007 zehn Menschen in sieben deutschen Städten ermordet: Neun Mitbürger, die mit ihren Familien in Deutschland eine neue Heimat fanden, und eine Polizistin. Wir sind bestürzt und beschämt, dass diese terroristischen Gewalttaten über Jahre nicht als das erkannt wurden, was sie waren: Morde aus Menschenverachtung. Wir sagen: Nie wieder!" Im Anschluss folgen die Namen und die Todestage und -orte der Mordopfer.

jbr/dapd

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