NSU-Banküberfälle Brüllend in die Filiale gestürmt

Im NSU-Prozess haben Sparkassen-Angestellte berichtet, wie brutal die Banküberfälle der Rechtsterroristen abliefen. Böhnhardt und Mundlos prügelten demnach mit einem Telefon auf ein Opfer ein.


Die labile Gesundheit der Hauptangeklagten Beate Zschäpe beeinträchtigt zunehmend den NSU-Prozess. Der Vorsitzende Richter Manfred Götzl kündigte am Mittwoch an, dass zunächst bis Mitte Mai jede Woche ein Verhandlungstermin gestrichen werde. Wie es danach weitergehe, wisse er noch nicht. Bisher gilt ein Terminplan bis Januar 2016. Darin sind in fast jeder Woche drei Verhandlungstage angesetzt.

Das Gericht folgt damit einer Empfehlung des Münchner Gerichtspsychiaters Norbert Nedopil. Er hatte Anfang März ein Gutachten über Zschäpes Zustand verfasst. Demnach ist sie zwar verhandlungsfähig. Nedopil empfahl aber, sie "vorsorglich zu entlasten". Was genau Zschäpe fehlt, ist nicht bekannt.

Zschäpe sitzt seit dreieinhalb Jahren in Untersuchungshaft. Der Prozess läuft bald zwei Jahre. Sie muss sich als Mittäterin der überwiegend rassistisch motivierten Serie von zehn Morden, zwei Sprengstoffanschlägen und 15 Raubüberfällen verantworten.

Bereits im März hatte das Gericht jede Woche einen Termin gestrichen. Schon seit Ende des vergangenen Jahres sorgte Zschäpes zunehmend labile Gesundheit immer häufiger für Ausfälle. An einigen Tagen ließ sie sich morgens noch vor dem Transport von der JVA Stadelheim vom Anstaltsarzt untersuchen und kam dann gar nicht erst ins Gericht.

Als Zeugen vernahm das Gericht am Mittwoch mehrere Angestellte einer Sparkassenfiliale im thüringischen Ilmenau-Arnstadt, die am 7. September 2011 überfallen wurde. Sie schilderten das Vorgehen der Täter - mutmaßlich Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos - als ausgesprochen brutal. Die beiden seien brüllend in die Filiale gestürmt. Einer der beiden habe eine Angestellte mit einem aus der Wand gerissenen Telefon am Kopf blutig geschlagen. Ein Kripo-Ermittler sagte, die Beute sei mit 15.000 Euro vergleichsweise niedrig gewesen.

Er habe darum auch vermutet, dass dieselben Täter nach kurzer Zeit einen weiteren Überfall begehen würden. Ein Kollege aus Sachsen habe ihn auf eine Serie von Überfällen nach ähnlichem Muster in Chemnitz und Zwickau hingewiesen. Auch dort seien die Täter mit Fahrrädern geflohen. Er habe seine Kollegen darum angewiesen, "auf Fahrzeuge zu achten, in denen man Fahrräder verstauen kann".

Tatsächlich verübten Mundlos und Böhnhardt im November 2011 - wenige Wochen später - einen weiteren Überfall in Eisenach. Dabei beobachtete ein Zeuge, wie sie ihre Fahrräder in ein Wohnmobil luden. Kurz darauf wurden sie tot in ihrem ausgebrannten Wohnmobil gefunden.

otr/dpa



insgesamt 5 Beiträge
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etna 26.03.2015
1.
Der erwähnte Kripoermittler und sein Kollege aus Sachsen, scheinen ja die einzigen Versierten in diesem Fall gewesen zu sein, Glückwunsch!
ft297 26.03.2015
2. Wieder mal schlecht recherchiert bzw. abgetippt ...
... es gibt nämlich kein thüringischen Ort namens "Ilmenau-Arnstadt", sondern entweder Ilmenau oder Arnstadt. Die Orte liegen ca. 20 km auseinander. Die dortigen Sparkassen heißen "Arnstadt-Ilmenau", aber davon ist ja im Artikel nicht die Rede.
brother eagle 26.03.2015
3.
hoert doch mal auf die Anschlaege rassistish zu bezeichnen. Das war auslaenderfeindlich und nichts anderes
Max_Muster 26.03.2015
4. Also mal ehrlich
..wenn ich eine Bank überfalle setze ich mich doch NICHT nach gelungenem Bruch in ein wohnmobil in einem neubauviertel und bringe mich um! Ich habe ab! dann findet man 2 Hülsen von einer Schrotflinte und stellt fest das dies nicht geht! ( weil ja erst beim nachladen die hülse ausgeworfen wird) Die forensiker schreiben dies auch in den bericht der danach geändert wird in eine hülse und eine patrone.. als ob die untersucher nicht genau den unterschied zwischen hülse und patrone kennen würden!1 so ein humbug!1 hier stinkt es gewaltig!!
kampfente59 26.03.2015
5. Nun ja...
Da müsst Ihr Euch über Auflagen im Sinkflug nicht wundern. Niemand glaubt Euch... Im übrigen war der Ablauf so : Die beiden haben sich erschossen und d a n a c h den Wohnwagen angezündet; Thats all folks !
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