Beate Zschäpe im Gespräch mit Polizisten "Kurz und schnippisch"

Vor Gericht bleibt Beate Zschäpe still, doch sie hat nicht immer geschwiegen. Unmittelbar nach ihrer Festnahme war sie noch mitteilsamer - und plauderte auch mit einem Zielfahnder des LKA.

Angeklagte Beate Zschäpe in München: Festnahme auf der Leiter
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Angeklagte Beate Zschäpe in München: Festnahme auf der Leiter

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Hamburg - Ein typischer Verhandlungstag im NSU-Prozess vor dem Oberlandesgericht München beginnt mit einer Drehung der Angeklagten. Beate Zschäpe betritt den Saal gesenkten Hauptes, kehrt den Fotografen den Rücken und plaudert mit ihren Verteidigern. Es ist eine durchaus absichtsvolle Geste, so als wolle sie sich von der Öffentlichkeit abwenden. In der Verhandlung selbst hat sie noch nichts gesagt.

Und weil die mutmaßliche Rechtsterroristin verstummt ist, erlangen die wenigen Worte, die sie bislang mit Beamten austauschte, eine umso größere Bedeutung. Bekannt war bislang, dass sie sich nach ihrer Festnahme in einer Plauderei mit einem Polizisten als "Omakind" bezeichnete und später den bemerkenswerten Satz sagte: Sie habe sich "nicht gestellt, um nicht auszusagen".

Der Rest ist Schweigen.

Doch nun wird bekannt, dass es mindestens noch einen weiteren Moment gab, in dem sich Zschäpe einem Kriminalbeamten offenbarte. Wie aus dem Untersuchungsbericht des Thüringer Landtags hervorgeht, traf sie, unmittelbar nachdem sie sich in Jena gestellt hatte, auf den Mann, der sie jahrelang gejagt hatte.

Mit Blaulicht nach Jena

Der Chef der Zielfahndung im thüringischen Landeskriminalamt, Sven W., genoss in seinem Metier einen bundesweit guten Ruf. Seine kleine Truppe galt Kennern der Szene als besonders einfallsreich, doch auch sie konnte die untergetauchten Neonazis Uwe Böhnhardt, Uwe Mundlos und Beate Zschäpe über viele Jahre nicht aufspüren. W. äußerte wiederholt den Verdacht, seine Arbeit sei sabotiert worden - womöglich von Beamten des Landesamts für Verfassungsschutz.

Dennoch war W. derjenige, der Zschäpe am 8. November 2011 identifizieren musste. Mit Blaulicht sei er damals nach Jena gerast, berichtete er dem Untersuchungsausschuss, und habe im Zellentrakt der dortigen Polizeiinspektion eine "erschöpft" wirkende Beate Zschäpe getroffen. Sie habe sich nicht stark verändert gehabt, erinnerte sich W. Dabei hatte er sie 14 Jahre lang nicht gesehen.

1997 hatte Kriminalpolizist W. Zschäpe schon einmal festgenommen, offenbar wegen eines kleineren Delikts. Über die Umstände dieser früheren Festnahme habe er in Jena mit ihr gesprochen, berichtete W. Zschäpe habe damals auf einer Leiter gestanden und Malerarbeiten in einer Kirche ausgeführt. Daran habe sie sich tatsächlich auch Jahre später noch erinnern können, obwohl sie doch so oft festgenommen worden sei, wie sie gesagt habe. Zschäpe hatte 1997 eine ABM-Stelle als Malergehilfin in Jena und verdiente etwa 1500 Mark brutto. 1998 tauchte sie zusammen mit Mundlos und Böhnhardt ab.

Auf der Wache hätten sie sich etwa fünf bis zehn Minuten lang unterhalten, so der Kriminalhauptkommissar. Zschäpe habe ihm erzählt, dass sie die Tage zuvor kreuz und quer durch Deutschland gefahren sei, nach Leipzig und Bremen, und er wiederum habe sie auch an ihrer sehr "signifikanten Sprache" identifizieren können. Sie sei "ziemlich offen" gewesen, habe jedoch das Gespräch nicht aktiv gesucht. Vielmehr antwortete Zschäpe demnach auf die Fragen des Polizisten "kurz und schnippisch".

Mitarbeit: Maik Baumgärtner

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