NSU-Prozess Anklage fordert zwölf Jahre Haft für André E.

Im NSU-Prozess hat die Bundesanwaltschaft eine überraschend hohe Strafe für den Mitangeklagten André E. gefordert: Der überzeugte Neonazi solle zudem sogleich in Untersuchungshaft genommen werden.
André E. im NSU-Prozess (Archiv)

André E. im NSU-Prozess (Archiv)

Foto: Andreas Gebert/ dpa

Im NSU-Prozess hat die Bundesanwaltschaft das Strafmaß für die Angeklagten gefordert. Für Beate Zschäpe beantragten die Ankläger die Höchststrafe: lebenslang mit der Feststellung der besonderen Schwere der Schuld - eine Freilassung nach 15 Jahren wäre damit ausgeschlossen. Zudem forderte die Bundesanwaltschaft eine anschließende Sicherungsverwahrung Zschäpes.

Gründe für eine Strafmilderung oder gar eine Schuldunfähigkeit gebe es keine, sagte Diemer. Zschäpe sei "ein eiskalt kalkulierender Mensch, für die ein Menschenleben keine Rolle spielte". Für solche Fälle sei keine Schuldminderung vorgesehen.

Neben der 42-Jährigen sind vier mutmaßliche NSU-Helfer angeklagt. Für sie forderte die Bundesanwaltschaft folgende Strafen:

  • Ralf Wohlleben solle wegen Beihilfe zum Mord in neun Fällen zu zwölf Jahren Gefängnis verurteilt werden, so die Bundesanwaltschaft. Wohlleben habe die Ceska-Pistole beschafft, mit der die Terrorzelle "Nationalsozialistischer Untergrund" neun Menschen ausländischer Herkunft ermordete. Der Angeklagte bestreitet das. Zwölf Jahre seien unter Berücksichtigung aller Umstände angemessen, sagte Bundesanwalt Herbert Diemer.
  • Carsten S., der die Ceska zusammen mit Wohlleben beschafft haben soll und den Mitangeklagten schwer belastet, soll nach dem Willen der Ankläger zu einer Jugendstrafe von drei Jahren verurteilt werden. Zugunsten von S. wertete Diemer dessen Aufklärungshilfe und dessen eigenes Schuldeingeständnis. Ohne Carsten S. hätte die Anklage nicht wie geschehen erhoben werden können, so der Bundesanwalt.
  • André E. soll nach dem Willen der Ankläger ebenfalls zwölf Jahre in Haft. Er sei einer der loyalsten Helfer des NSU gewesen, so Diemer. André E. soll Beihilfe zum Bombenanschlag auf ein Lebensmittelgeschäft in der Probsteigasse in Köln geleistet haben, indem er den Wagen mietete, mit dem die Täter in die Domstadt fuhren. Die Bundesanwaltschaft beantragte, E. in Untersuchungshaft zu nehmen - bisher ist er frei. Richter Götzl unterbrach die Verhandlung und ordnete dann an, E. in Gewahrsam zu nehmen. Am Mittwoch wolle der Senat über die Untersuchungshaft entscheiden. Schon in der Pause durfte E. den Gerichtssaal nicht verlassen.
  • Für Holger G. forderten die Ankläger fünf Jahre Freiheitsstrafe, wegen Unterstützung einer terroristischen Vereinigung in drei Fällen. G. soll den untergetauchten Nazis Ausweispapiere überlassen haben, was er auch einräumt.
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