NSU-Prozess Ärger über Nicht-Zulassung türkischer Medien

Beim Prozess gegen Beate Zschäpe sind die Plätze für Journalisten begrenzt, türkische Medien gingen bei der Vergabe leer aus. Das kritisiert nun die Ombudsfrau der Bundesregierung für NSU-Opfer - Zugang für türkische Journalisten sei so wichtig wie wünschenswert.
Sitzungssaal im Oberlandesgericht München: Umbau für NSU-Prozess

Sitzungssaal im Oberlandesgericht München: Umbau für NSU-Prozess

Foto: Peter Kneffel/ dpa

Berlin - Die Ombudsfrau der Bundesregierung für die Opfer des NSU-Terrors hat das Oberlandesgericht München aufgefordert, zum NSU-Prozess auch türkische Journalisten zuzulassen. "Der Prozess wird nicht nur in der Türkei aufmerksam verfolgt", sagte Barbara John der "Mitteldeutschen Zeitung".

"Auch viele Türkischstämmige in Deutschland lesen noch türkische Zeitungen oder schauen türkisches Fernsehen. Darum wäre es nicht nur wünschenswert, sondern wichtig, dass sie Zutritt haben." Sie verstehe das Akkreditierungsverfahren nicht und gehe auch davon aus, dass man daran noch etwas ändern werde, sagte John.

Am Montag war bekannt geworden, dass beim Terrorprozess zur NSU-Mordserie unter den 50 Medien mit garantierten Plätzen kein türkisches ist. Acht der insgesamt zehn Opfer waren türkischstämmig. 123 Medien hatten sich um eine Akkreditierung bemüht, unter ihnen acht türkische. Sie erhalten nun eine Akkreditierungskarte, jedoch ohne sicheren Platz. Auch große internationale Medien wie die Nachrichtenagenturen AP und AFP, die "New York Times", die BBC und die "International Herald Tribune" sind auf der Nachrückerliste.

Das Oberlandesgericht hatte das Vergabeverfahren verteidigt. Demnach seien die Akkreditierungen strikt nach der zeitlichen Reihenfolge vergeben worden, in der die Anträge eingegangen sind. Das Vorgehen sei vorher bekanntgegeben worden, so dass sich alle Medien darauf hätten einstellen können. Als Alternative wäre nur ein Losentscheid in Frage gekommen, sagte eine Gerichtssprecherin. Dieser hätte aber noch mehr Schwierigkeiten aufgeworfen.

Der Prozess gegen Beate Zschäpe und weitere Angeklagte wird einer der größten Strafprozesse der deutschen Justizgeschichte. Auch wegen des riesigen öffentlichen Interesses wird ein Gerichtssaal im Oberlandesgericht umgebaut. Der erste Verhandlungstag ist für den 17. April festgesetzt.

ulz/dpa