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08. Dezember 2016, 11:14 Uhr

NSU-Prozess

Beate Zschäpe verneint Kenntnis von Details zum Fall Peggy

In der Nähe des Fundorts der ermordeten Peggy hatten Ermittler DNA-Spuren des NSU-Mitglieds Uwe Böhnhardt gefunden. Nun verneinte seine mutmaßliche Komplizin Beate Zschäpe weitere Kenntnis der Ereignisse zu haben.

Über einen Monat hatte das Gericht auf diese Antwort gewartet. Alles, was kam, war nun ein knappes "Nein". Die mutmaßliche Rechtsterroristin Beate Zschäpe hat bestritten, etwas über das getötete Mädchen Peggy aus Oberfranken gewusst zu haben. Das sagte ihr Anwalt Hermann Borchert im Münchner NSU-Prozess.

Bereits Ende Oktober hatte der Vorsitzende Richter die Hauptangeklagte gefragt, ob sie etwas über Peggy wisse, das sie nicht aus den Medien habe. Hintergrund war eine DNA-Spur, die eine Verbindung zwischen dem "Nationalsozialistischen Untergrund" und dem Fall Peggy möglich erscheinen ließ.

Im Mai 2001 war die damals neun Jahre alte Schülerin Peggy verschwunden. Im vergangenen Sommer entdeckte ein Pilzsammler in Thüringen Knochen des Kindes. Die Ermittler fanden dort auch DNA des mutmaßlichen NSU-Terroristen Uwe Böhnhardt.

In der Zwischenzeit gab es aber bereits Vermutungen, die DNA-Spur Böhnhardts könnte durch eine Ermittlungspanne an den Leichenfundort gekommen sein. Es gibt Anhaltspunkte dafür, dass bei der Spurensicherung identisches Gerät verwendet wurde wie nach dem Tod Böhnhardts 2011. So könnte die Spur verunreinigt worden sein.

Kinderpornos angeblich von gebrauchter Festplatte

Zschäpe ließ ihren Verteidiger auch Fragen des Gerichts zu angeblichen kinderpornografischen Fotos auf einem in der Ruine des letzten Verstecks des NSU-Trios gefundenen Computer beantworten.

Zschäpe ließ erklären, sie habe von den Fotos erst durch Akteneinsicht zu ihrem Fall erfahren. Sie glaube, dass die Bilder durch eine von Mundlos gekaufte gebrauchte Festplatte auf den Computer gekommen sein könnten. Mundlos habe immer wieder gebrauchte Festplatten gekauft und Computer selbst zusammengebaut. Auf den Computer mit den Bildern habe sie ebenfalls Zugriff gehabt, auch Uwe Böhnhardt habe den PC genutzt.

Zschäpe ist wegen der rechtsextrem motivierten NSU-Tatserie mit zehn Toten, zwei Bombenanschlägen sowie einer Reihe von Banküberfällen angeklagt. Böhnhardt und Mundlos kamen 2011 mutmaßlich durch Suizid ums Leben. Der NSU-Prozess nähert sich dem Ende, das Gericht leitete bereits das Ende der Beweisaufnahme ein.

cnn/dpa/AFP

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