NSU-Prozess Verfassungsschutz soll von Rohrbombe gewusst haben

Ein Brandenburger Verfassungsschützer hat erneut im NSU-Prozess ausgesagt. Sein Informant habe ihm berichtet, dass Neonazis das untergetauchte Trio mit Waffen versorgen wollten.


Der Brandenburger Verfassungsschutz besaß Informationen darüber, dass ein Neonazi "Rohrbomben testet und zur Explosion bringen wollte". Das sagte der V-Mann-Führer des geheimen Informanten "Piatto" als Zeuge im Münchner NSU-Prozess.

Diese Information habe er von "Piatto" erhalten, sagte der Verfassungsschützer. "Piatto" habe auch berichtet, dass die Anführer der sächsischen "Blood & Honour"-Gruppierung in Chemnitz planten, die untergetauchten Beate Zschäpe, Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt mit Geld und Waffen auszustatten.

Ob es einen Zusammenhang zwischen der Rohrbombe und dem NSU-Trio gebe oder ob neben der Chemnitzer Gruppe weitere Neonazis versuchten, Waffen für die drei zu organisieren, wisse er nicht, sagte der Zeuge. Ebenso wenig habe er erfahren, welche Behörden in die von "Piatto" gelieferten Informationen eingeweiht wurden. Nebenklage-Anwalt Thomas Bliwier bezweifelte die Aussage des V-Mannführers und äußerte die Vermutung, er sage nicht die Wahrheit.

Zschäpe will sich erneut von Verteidigerin trennen

Die mutmaßliche Rechtsterroristin Beate Zschäpe hatte indes einen weiteren Vorstoß unternommen, sich von einer Pflichtverteidigerin zu trennen. In Briefen an das Gericht beantragte sie, die Bestellung von Rechtsanwältin Anja Sturm zurückzunehmen und stattdessen ihren Vertrauensanwalt Hermann Borchert zu verpflichten.

Die Bundesanwaltschaft wandte sich gegen Zschäpes Anliegen. Die Behörde begründet ihr Nein damit, dass Zschäpe mit ihren bisherigen Anwälten ordnungsgemäß vertreten sei. Das Gericht hat noch nicht entschieden. Neben Wolfgang Heer, Wolfgang Stahl und Sturm bestellte das Gericht im Sommer 2015 zusätzlich den Münchner Anwalt Mathias Grasel als vierten Pflichtverteidiger.

Zschäpe begründet ihren neuerlichen Vorstoß damit, dass Rechtsanwältin Sturm seit mehreren Wochen erkrankt sein soll. Vertreten wird sie meist von dem Münchner Anwalt Andreas Lickleder, der als Revisionsspezialist gilt.

msc/dpa

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