NSU-Prozess Beate Zschäpe will sich zu allen Anklagepunkten äußern

Jahrelang kein Ton, nun angeblich komplette Offenheit: Die mutmaßliche Rechtsterroristin Beate Zschäpe will im Münchner NSU-Prozess laut ihrem Anwalt umfassend aussagen.
Beate Zschäpe Mitte November vor Gericht: Will ihr Schweigen brechen

Beate Zschäpe Mitte November vor Gericht: Will ihr Schweigen brechen

Foto: Peter Kneffel/ dpa

Die mutmaßliche Neonazi-Terroristin Beate Zschäpe will im NSU-Prozess nach Angaben ihres Verteidigers Mathias Grasel zu allen Anklagepunkten Angaben machen. Grasel will die Erklärung voraussichtlich in dieser Woche verlesen, womöglich bereits diesen Dienstag. "Diese Erklärung wird sich mit allen angeklagten Punkten beschäftigen, und wir werden da auf jeden einzelnen Punkt eingehen", sagte der Verteidiger am Montag dem Bayerischen Rundfunk .

Konkret werde es darum gehen, was die Hauptangeklagte Zschäpe gewusst habe und worin sie involviert gewesen sei, erklärte Grasel. Fragen des Gerichts würden voraussichtlich nicht von Zschäpe selbst, sondern von ihm oder seinem Kollegen Herrmann Borchert beantwortet.

Er sei zu der Überzeugung gelangt, dass "Schweigen hier nicht mehr die richtige Strategie ist, sondern dringend eine Erklärung geboten ist", erklärte Grasel, der vom Oberlandesgericht erst im Juli, nach mehr als zwei Jahren Prozessdauer, zum vierten Pflichtverteidiger bestellt worden war. "Das entspricht im Übrigen auch dem ursprünglichen Wunsch von Frau Zschäpe, der bereits seit ihrer Verhaftung im Jahr 2011 so existierte", sagte Grasel.

Der Ankündigung der Aussage war ein Streit zwischen Zschäpe und ihren Verteidigern Anja Sturm, Wolfgang Heer und Wolfgang Stahl vorausgegangen. Das Vertrauensverhältnis zwischen Angeklagter und ihren drei Verteidigern galt als zerrüttet. Grasel stieß daraufhin auf Wunsch Zschäpes hinzu. Über ihn hat sie nun auch die Bereitschaft zur vollständigen Offenheit geäußert. Die drei Altverteidiger hatten zuletzt mehrfach erfolglos ihre Entpflichtung beantragt.

Beate Zschäpe ist wegen Mittäterschaft an zehn Morden des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) angeklagt. Bisher gibt es keine Erkenntnisse, dass sie an einem der Tatorte der Morde war. Die Ermittler gehen davon aus, dass die 2011 mutmaßlich durch Suizid ums Leben gekommenen NSU-Mitglieder Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos die Morde verübt hatten. Zschäpe soll die Taten gedeckt und verheimlicht haben, außerdem wird ihr vorgeworfen, das letzte Versteck des Trios in Brand gesetzt zu haben.

apr/dpa/AFP
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