NSU-Prozess Erneute Verzögerung vor Beginn der Plädoyers

Die Beweisaufnahme im NSU-Prozess dauerte mehr als vier Jahre, nun sollten eigentlich die Plädoyers beginnen. Doch die Verteidiger verzögern die Verhandlung mit Anträgen.

Beate Zschäpe
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Beate Zschäpe


Der 374. Verhandlungstag im NSU-Prozess verläuft nicht wie erwartet. Noch immer ist offen, wann die Bundesanwaltschaft mit ihrem Plädoyer beginnen kann - ob noch am Mittwoch oder erst später. Grund ist ein Streit über mögliche Tonaufnahmen des Plädoyers, der auch am Nachmittag weiterging.

Der eigentlich geplante Beginn der Plädoyers hatte sich bereits am Vormittag mehrfach verzögert. Auf Antrag der Verteidiger der beiden Angeklagten Beate Zschäpe und Ralf Wohlleben unterbrach das Gericht die Verhandlung für zwei Stunden bis 14 Uhr - zur Vorbereitung "prozessualer Anträge".

Anlass für das juristische Hickhack: Das Gericht hatte zuvor die Anträge sämtlicher Verteidiger abgelehnt, den Schlussvortrag der Bundesanwaltschaft auf Tonband aufzuzeichnen. Eine solche Aufnahme sei für eine sachgerechte Verteidigung nicht erforderlich, sagte der Vorsitzende Richter Manfred Götzl.

Dagegen intervenierte am Nachmittag der Anwalt des Mitangeklagten Ralf Wohlleben, Olaf Klemke. Er beantragte unter anderem, notfalls einen Stenotypisten mit der Mitschrift des Plädoyers zu beauftragen.

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Am Dienstag hatte Richter Götzl die Beweisaufnahme für beendet erklärt. Der Prozess hatte am 6. Mai 2013 begonnen. Das Gericht hörte 815 Zeugen und 42 Sachverständige.

Als erstes sollte nun die Bundesanwaltschaft mit ihrem Plädoyer beginnen. Bundesanwalt Herbert Diemer schätzte die Sprechzeit für die Anklage auf 22 Stunden. Nach der Verhandlung an diesem Mittwoch folgen noch fünf Prozesstage, bevor eine mehrwöchige Sommerpause beginnt. Sollte die Bundesanwaltschaft bis dahin fertig sein, könnten nach der Sommerpause die Plädoyers der Nebenkläger und der Verteidiger folgen.

Die Hauptangeklagte Zschäpe lebte fast 14 Jahre mit Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt im Untergrund. Die beiden Männer sollen während dieser Zeit zehn Menschen ermordet haben, neun aus rassistischen Motiven. Zschäpe ist als drittes und einzig überlebendes Mitglied des "Nationalsozialistischen Untergrunds" wegen Mittäterschaft an allen Verbrechen angeklagt. Ihr droht eine lebenslange Freiheitsstrafe.

wit/dpa

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