Carsten S. im NSU-Prozess "Für mich war klar, dass ich nichts sage"

Carsten S. hat auch nach seinem Ausstieg aus der Neonazi-Szene nicht über seine Kontakte zu dem mutmaßlichen Terror-Trio gesprochen. Dies sagte der Angeklagte im NSU-Prozess vor dem Oberlandesgericht in München.

Angeklagter Carsten S.: "Für mich war klar, dass ich nichts sage"
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Angeklagter Carsten S.: "Für mich war klar, dass ich nichts sage"


München - Auch nach seinem Ausstieg aus der Neonazi-Szene hat der im NSU-Prozess Angeklagte Carsten S. nicht über seine Kontakte zu den untergetauchten mutmaßlichen Terroristen gesprochen. "Für mich war klar, dass ich nichts sage", sagte der 33-Jährige am elften Verhandlungstag vor dem Oberlandesgericht München.

S. hat zugegeben, dem untergetauchten Trio Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe eine Waffe besorgt zu haben. Dabei handelt es sich aller Wahrscheinlichkeit nach um die Pistole der Marke Ceska, mit der die mutmaßlichen Terroristen neun Menschen ermordeten.

Nachdem die drei untergetaucht waren, machte der frühere NPD-Funktionär Ralf Wohlleben Carsten S. nach dessen Aussagen zu seinem Mittelsmann. S. berichtete, er habe noch zu seiner aktiven Zeit in der Neonazi-Szene mit Tino Brandt über den Kontakt gesprochen.

Brandt war V-Mann des Thüringer Verfassungsschutzes. Er hatte die Information nach einem Untersuchungsbericht für die Landesregierung auch an den Thüringer Verfassungsschutz weitergeleitet. Eine Beobachtung von S. blieb jedoch ohne Ergebnis.

Als Brandt als V-Mann aufflog, habe er sich keine Gedanken gemacht, was mit den Informationen geschah, sagte S. "Das war völlig uninteressant. Das war vorbei, hinter mir."

Carsten S. muss sich als mutmaßlicher Helfer des "Nationalsozialistischen Untergrunds" wegen Beihilfe zum Mord verantworten. Nach seiner Aussage wird nun auch in Zusammenhang mit einem Rohrbombenanschlag 1999 in Nürnberg wegen versuchten Mordes gegen Zschäpe ermittelt. Die Anklage wirft ihr außerdem unter anderem Mittäterschaft bei zehn Morden des NSU vor.

gam/dpa

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Seite 1
doc 123 18.06.2013
1. Absurdistan...
Zitat von sysopDPACarsten S. hat auch nach seinem Ausstieg aus der Neonazi-Szene nicht über seine Kontakte zu dem mutmaßlichen Terror-Trio gesprochen. Dies sagte der Angeklagte im NSU-Prozess vor dem Oberlandesgericht in München. http://www.spiegel.de/panorama/justiz/nsu-prozess-fuer-mich-war-klar-dass-ich-nichts-sage-a-906479.html
"Die Anklage wirft ihr außerdem unter anderem Mittäterschaft bei zehn Morden des NSU vor." Dass Böhnhardt und Mundlos zumindest an einem Teil der sog. Döner-Morde beteiligt waren, dürfte wohl unbestritten sein, ob Zschäpe daran beteiligt war oder davon wusste dagegen schon. Besonders abstrus wird es jedoch, wenn man den Mord an der Heilbronner Polizistin dem NSU-Trio unterschieben will, der so gar nicht in deren vorgeschobene Mordmotivation passen will. Für wie dämlich muss man sich eigentlich halten lassen müssen, wenn man den Äußerungen einer gleichgeschalteten Presse, einer weisungsabhängigen Staatsanwaltschaft und einem Richter-Gesockse auf dem Niveau einer besseren Bananenrepublik tatsächlich glauben soll?
Thomas-Melber-Stuttgart 18.06.2013
2. Ach?
Zitat von doc 123"Die Anklage wirft ihr außerdem unter anderem Mittäterschaft bei zehn Morden des NSU vor." Dass Böhnhardt und Mundlos zumindest an einem Teil der sog. Döner-Morde beteiligt waren, dürfte wohl unbestritten sein, ob Zschäpe daran beteiligt war oder davon wusste dagegen schon. Besonders abstrus wird es jedoch, wenn man den Mord an der Heilbronner Polizistin dem NSU-Trio unterschieben will, der so gar nicht in deren vorgeschobene Mordmotivation passen will. Für wie dämlich muss man sich eigentlich halten lassen müssen, wenn man den Äußerungen einer gleichgeschalteten Presse, einer weisungsabhängigen Staatsanwaltschaft und einem Richter-Gesockse auf dem Niveau einer besseren Bananenrepublik tatsächlich glauben soll?
Tatsächlich? Hat man den beiden unter recht zweifelhaften zu Tode gekommenen denn irgendeine Tat (Bankraub, Mord) nachweisen können? Soweit ich weiß wird gegen Tote nicht (mehr) ermittelt, das wäre aber notwendig, um Z. dann überhaupt eine Mittäterschaft o.ä. vorzuwerfen zu können.
c++ 18.06.2013
3.
Was heißt denn: "Dabei handelt es sich aller Wahrscheinlichkeit nach um die Pistole der Marke Ceska, mit der die mutmaßlichen Terroristen neun Menschen ermordeten." Ich dachte, das ist sicher, dass es die Mordwaffe war. Wenn nicht klar ist, ob die mutmaßlichen Mörder die Mordwaffe gekauft haben, wie kann man dann sicher sein, dass sie die Mörder sind? Nur, weil sie bei ihren Leichen gefunden wurden?
ambulans 18.06.2013
4. stopp!
ein paar notwendige und leider auch unvermeidliche bemerkungen zum nsu-prozess in münchen: 1.ist die anklageschrift, auf grund derer hier vor gericht verhandelt wird, eigentlich vollständig? ansonsten?? 2.sind anklagende staatsanwaltschaft und verhandelndes und letztendlich ja auch urteilendes gericht so unabhängig, dass zum schluss ein rechtsstaatlich befriedigendes urteil möglich ist? was wäre, wenn eben nicht?? 3.welcherlei einflüsse aus bayern, vom bund, und von anderswoher machen sich in diesem prozess, der in seiner bedeutung wahrscheinlich sogar den von stammheim damals noch übertreffen dürfte, in welcher art und form auch immer bemerkbar? ist überhaupt ein ergebnis - und wenn, welches? - in dieser sache erwünscht? welche konsequenzen wären/würden zu ziehen (sein)? dieser prozess krankt von beginn an an allzu viel politik; gewisse, wahlkämpfende interessen scheinen außer rand und band; schlechtes gewissen (fast) überall, und die wahrheit, auf die wenigstens die opfer und ihre angehörigen anspruch haben, bleibt mal wieder - aber diesmal absichtlich - auf der strecke ...
blabla259 18.06.2013
5. Ganz einfach
Zitat von c++Was heißt denn: "Dabei handelt es sich aller Wahrscheinlichkeit nach um die Pistole der Marke Ceska, mit der die mutmaßlichen Terroristen neun Menschen ermordeten." Ich dachte, das ist sicher, dass es die Mordwaffe war. Wenn nicht klar ist, ob die mutmaßlichen Mörder die Mordwaffe gekauft haben, wie kann man dann sicher sein, dass sie die Mörder sind? Nur, weil sie bei ihren Leichen gefunden wurden?
Solange die Waffe nicht als Beweismittel in den Prozess eingeführt und ihre Beweiskraft festgestellt ist, ist sie eben nur die mutmaßliche Mordwaffe. Genauso wie Frau Zschäpe bislang auch nur eine mutmaßliche Mörderin. Verstanden?
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