NSU-Prozess Keine Bestätigung für Zschäpe-Aussage zu Campingurlaub

Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt sollen nach ihrem Nagelbombenanschlag in Köln allein zu einem Campingplatz gefahren sein. Doch an dieser Aussage von Beate Zschäpe gibt es Zweifel.

Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe
REUTERS/Bundeskriminalamt

Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe


Ermittlungen der Polizei haben Aussagen der mutmaßlichen Rechtsterroristin Beate Zschäpe nicht bestätigen können - aber auch nicht widerlegen. Zschäpe hatte angegeben, ihre Freunde Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt seien unmittelbar nach deren Bombenanschlag auf die Kölner Keupstraße im Jahr 2004 ohne sie zum Campen gefahren.

Mehrere Ermittler waren am Dienstag als Zeugen zum NSU-Prozess in München geladen. Den Beamten zufolge gibt es nur Hinweise auf Urlaube, die Mundlos, Böhnhardt und Zschäpe gemeinsam gemacht haben.

Zschäpe hatte in einer ihrer Aussagen erklären lassen, sie habe von dem Kölner Anschlag nur aus dem Fernsehen erfahren. Mundlos und Böhnhardt seien danach "auf irgendeinen Campingplatz" gefahren. Sie habe nicht dabei sein wollen und den beiden Männern fortan nicht mehr vertraut.

"Eine Frau und zwei Männer"

Einer der Nebenklage-Anwälte hatte diese Aussage bezweifelt und im Gericht Urlaubsfotos zeigen lassen, auf denen Zschäpe, Mundlos und Böhnhardt gemeinsam zu sehen sind. Dieser Urlaub, so die Ermittler, habe sechs Wochen nach dem Kölner Bombenanschlag begonnen.

Außerdem soll das Trio bereits zehn Tage nach dem Kölner Anschlag bei einem Campingplatz in Schleswig-Holstein gewesen sein. Der Betreiber dieser Anlage, der am Dienstag ebenfalls als Zeuge aussagte, erinnerte sich an "eine Frau und zwei Männer". Die drei hätten ein bereits reserviertes Wohnmobil inspiziert, seien damit aber nicht zufrieden gewesen und wieder abgereist.

Angeklagt ist Zschäpe neben dem Kölner Anschlag vor allem für die Serie von zehn Morden aus überwiegend rassistischen Motiven. Mit Mundlos und Böhnhardt lebte sie 13 Jahre im Untergrund. Erst nach dem Tod ihrer beiden Gefährten im November 2011 stellte sie sich der Polizei.

wit/dpa



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