NSU-Prozess Nebenkläger erheben schwere Vorwürfe gegen Gericht

Vertreter der Nebenklage haben dem Münchner Oberlandesgericht im NSU-Prozess mangelnden Aufklärungswillen vorgeworfen. Es geht um den Mord an Halit Yozgat und die Frage, wieso ein ehemaliger Verfassungsschützer in dem Kasseler Internetcafé anwesend war, als Yozgat erschossen wurde.
Zeuge Andreas T.: Wieso war er in dem Kasseler Internetcafé?

Zeuge Andreas T.: Wieso war er in dem Kasseler Internetcafé?

Foto: Andreas Gebert/ dpa

München - Nebenklagevertreter haben im NSU-Prozess schwere Vorwürfe gegen das Oberlandesgericht München erhoben: Sie warfen den Richtern vor, es mangele ihnen hinsichtlich des Mordes an Halit Yozgat in Kassel an Aufklärungswillen. Dabei geht es um die Rolle eines ehemaligen Verfassungsschützers. Der Senat hatte es vergangene Woche abgelehnt, die vollständigen Akten aus dem Verfahren gegen Andreas T. zu den Prozessakten zu nehmen.

Die Nebenkläger widersprachen der für Dienstag angesetzten Vernehmung des Mannes. Die Verhandlung wurde daraufhin zunächst unterbrochen.

Andreas T. saß im April 2006 im hinteren Raum eines Internetcafés in Kassel am Computer, als dort der 21-jährige Halit Yozgat ermordet wurde. Die Täter waren mutmaßlich Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt, Yozgat gilt als neuntes Opfer des NSU.

Die Anwesenheit des damaligen Verfassungsschützers war Anlass für Spekulationen, zumal T. sich nicht als Zeuge bei der Polizei meldete. Er behauptet, er habe nichts von der Tat mitbekommen. Ermittlungen gegen ihn wurden eingestellt. Nebenklagevertreter hatten beantragt, die Akten aus dem Verfahren gegen T. beizuziehen. Der Senat hatte dem nur teilweise entsprochen. Dies mache deutlich, "dass auch dieses Gericht eine vollständige Aufklärung der Tat zum Nachteil Halit Yozgat nicht wünscht", sagte Nebenklageanwalt Alexander Kienzle, der Angehörige des Opfers vertritt.

bim/dpa