NSU-Prozess Richter weist Berliner Kripo-Ermittler zurecht

Im NSU-Prozess ist ein Berliner Polizist mit Erinnerungslücken aufgefallen. Der Zeuge wurde daraufhin vom Vorsitzenden Richter an seine Verpflichtung erinnert, wahrheitsgemäß zu antworten.


Der Vorsitzende Richter im NSU-Prozess, Manfred Götzl, hat einen Berliner Kripobeamten im Zeugenstand scharf zurechtgewiesen. Der Beamte hatte in seiner Vernehmung immer wieder Erinnerungslücken geltend gemacht. NSU ist die Abkürzung für die Terrorzelle Nationalsozialistischer Untergrund.

Einer Nebenklägerin erwiderte der Ermittler, er habe ihre Frage schon vor einem der parlamentarischen Untersuchungsausschüsse zu den NSU-Verbrechen beantwortet. Darauf fuhr Götzl ihn an und erinnerte den Polizisten an seine Verpflichtung, wahrheitsgemäß zu antworten.

Vergessene Vernehmung

Der Beamte hatte in den Jahren nach der Jahrtausendwende eine Gruppe der Berliner Polizei geleitet, die gegen die rechtsradikale Band "Landser" ermittelte. Als Produzent dieser Band gilt ein früherer Anführer der sächsischen "Blood & Honour"-Organisation, bei deren Mitgliedern das NSU-Trio Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe Unterschlupf fand.

Der Ermittler behauptete zum Beispiel, er könne sich nicht daran erinnern, den Produzenten vernommen zu haben. Dabei ist ein entsprechendes Protokoll in den Akten enthalten. Mitglieder von "Blood & Honour" sollen auch bei der Beschaffung von Waffen und Geld für den NSU beteiligt gewesen sein.

Hauptangeklagte im Prozess ist Beate Zschäpe. Sie ist die einzige Überlebende des Trios. Die Bundesanwaltschaft wirft ihr Mittäterschaft bei zehn überwiegend rassistisch motivierten Morden und zwei Sprengstoffanschlägen vor.

msc/dpa

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