NSU-Prozess Zschäpes Verteidiger erheben Vorwürfe gegen Gerichtspsychiater

Beate Zschäpes Verteidiger sehen im Münchner NSU-Prozess die Grundrechte ihrer Mandantin verletzt. Der Gerichtspsychiater Henning Saß geht den Anwälten bei der Beobachtung der Angeklagten zu weit.
Angeklagte Zschäpe: Verteidiger monieren Verstoß gegen Grundrechte

Angeklagte Zschäpe: Verteidiger monieren Verstoß gegen Grundrechte

Foto: Matthias Schrader/ AP/dpa

Die Verteidigung Beate Zschäpes hat im NSU-Prozess Vorwürfe gegen den Gerichtspsychiater Henning Saß erhoben. Dieser beobachte Zschäpe auch in Verhandlungspausen und mache sich darüber Notizen, sagte Rechtsanwalt Wolfgang Heer zu Beginn des 204. Verhandlungstags. Das verstoße gegen Grundrechte.

Der Anwalt beantragte, Saß im Gerichtssaal umzusetzen, damit er nicht mehr in Hörweite sei. Außerdem solle er in Verhandlungspausen den Saal verlassen. Das Oberlandesgericht München lehnte den Antrag ab. Er sei "nicht sachgerecht" und "nicht angebracht".

Der Aachener Universitätsprofessor Saß hatte vor Prozessbeginn ein Gutachten über die Hauptangeklagte Zschäpe verfasst. Darin bescheinigt er ihr Schuldfähigkeit. Zschäpe hatte sich geweigert, mit Saß zu sprechen. Das Gericht beauftragte ihn darum, die Angeklagte im Gerichtssaal zu beobachten und ihr Verhalten zu beurteilen. Zschäpe ist als Mittäterin von zehn überwiegend rassistisch motivierten Morden angeklagt.

Wegen des Streits um den Gutachter wurde die Verhandlung mehrfach unterbrochen. Die Vernehmung eines Zeugen, der aus der Schweiz anreiste und über die Tatwaffe vom Typ Ceska aussagen sollte, verzögerte sich. Das Gericht wollte den inhaftierten hessischen Neonazi Bernd T. vernehmen.

ulz/dpa
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