Jahrestag des NSU-Prozesses Übelkeit von Beate Zschäpe sorgt für Ärger

Am Jahrestag des NSU-Prozesses stand die Gesundheit der Hauptangeklagten Beate Zschäpe im Mittelpunkt. Die 39-Jährige klagte über Übelkeit. Grund soll eine geheimnisvolle Nachricht gewesen sein.
Angeklagte Zschäpe (Archivbild): Übelkeit nach geheimnisvoller Nachricht

Angeklagte Zschäpe (Archivbild): Übelkeit nach geheimnisvoller Nachricht

Foto: Andreas Gebert/ dpa

München - Mehrere Pausen, stundenlange Verzögerungen, ein juristischer Disput, ein Befangenheitsantrag gegen einen Gerichtsarzt: Am Jahrestag des NSU-Prozessbeginns beschäftigte sich das Oberlandesgericht in München hauptsächlich mit dem Gesundheitszustand der Hauptangeklagten Beate Zschäpe. Am Ende entschied der Vorsitzende Richter Manfred Götzl, den Prozess bis Mittwoch zu unterbrechen.

Die 39-Jährige hatte bereits am Vormittag, nach nur einer guten halben Stunde, über Unwohlsein geklagt. Als Grund für die Übelkeit habe Zschäpe eine Nachricht angegeben, die sie unmittelbar vor Sitzungsbeginn erhalten habe, zitierte Götzl einen Gerichtsarzt. Genauere Angaben dazu habe sie aber nicht gemacht.

Bislang hatte Götzl erst wenige der mittlerweile 110 Verhandlungstage vorzeitig abbrechen müssen, etwa wegen Konzentrationsproblemen Zschäpes - aber jeweils erst nachmittags. Zum ersten Mal seit dem Start des NSU-Prozesses ist ein Verhandlungstag nun wegen Unwohlsein der Hauptangeklagten nahezu komplett ausgefallen.

Der Arzt berichtete laut Götzl, es gebe keine Anhaltspunkte für einen Magen-Darm-Infekt - und keine Anhaltspunkte dafür, dass keine Verhandlungsfähigkeit gegeben sei. Die Folge war eine juristische Auseinandersetzung zwischen Gericht, Verteidigung und Bundesanwaltschaft, ob Zschäpes Vorführung angeordnet werden soll - Bundesanwalt Herbert Diemer beantragte dies.

Zschäpes Verteidiger aber stellten in ihrem Namen einen Befangenheitsantrag gegen den Arzt, weil dieser teilweise die Unwahrheit gesagt habe. Daraufhin entschied sich Götzl schließlich für die Unterbrechung des Prozesses.

Wie die Nachrichtenagentur dpa berichtet, plant das Gericht möglicherweise drei Briefe Zschäpes an einen Gesinnungsgenossen in Nordrhein-Westfalen zu beschlagnahmen - darunter ein bisher unbekanntes Schreiben von Mitte April. Hintergrund ist, dass das Oberlandesgericht eventuell ein Sprachgutachten erstellen lassen will, um die Co-Autorenschaft der Hauptangeklagten an einem Manifest des "Nationalsozialistischen Untergrunds" (NSU) zu klären.

Der Prozess hatte exakt vor einem Jahr, am 6. Mai 2013, begonnen. Dem "Nationalsozialistischen Untergrund" werden zehn Morde zwischen 2000 und 2007 zur Last gelegt. Uwe Böhnhardt und sein mutmaßlicher Komplize Uwe Mundlos sind tot. Zschäpe muss sich vor dem Münchner Oberlandesgericht als Mittäterin an allen NSU-Taten verantworten.

bka/dpa
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