NSU-Prozess Zschäpe-Verteidiger wirft BKA-Ermittlern Dilettantismus vor

Im NSU-Prozess hat Zschäpe-Anwalt Wolfgang Stahl zwei Ermittler des Bundeskriminalamtes scharf kritisiert. Der Verteidiger lieferte sich auch Wortgefechte mit dem Vorsitzenden Richter.
Zschäpe-Verteidiger Sturm, Heer und Stahl (Archiv): Ihre Mandantin ist als Mittäterin bei zehn Morden angeklagt

Zschäpe-Verteidiger Sturm, Heer und Stahl (Archiv): Ihre Mandantin ist als Mittäterin bei zehn Morden angeklagt

Foto: Matthias Schrader/ AP/dpa

Wolfgang Stahl, einer der Verteidiger von Beate Zschäpe, hat zwei Ermittlern des Bundeskriminalamtes (BKA) im NSU-Prozess "Dilettantismus" vorgeworfen. Dabei lieferte er sich auch lautstarke Wortgefechte mit dem Vorsitzenden Richter Manfred Götzl.

Götzl warf dem Verteidiger Suggestivfragen an die Ermittler vor, was der Anwalt empört zurückwies.

Die beiden BKA-Beamten hatten als Zeugen berichtet, wie sie kurz nach dem Auffliegen des "Nationalsozialistischen Untergrunds" (NSU) im November 2011 einen Zwickauer Taxifahrer vernahmen. Er habe ausgesagt, Zschäpe ein halbes Jahr zuvor zum Bahnhof gebracht zu haben.

Stahl kritisierte daraufhin, die beiden Polizisten hätten ihre Vernehmung erst Wochen später schriftlich niedergelegt und ihren Zeugen zudem "nicht offen" befragt: "Man fragt sich, ob das Ergebnis nicht schon vorher feststand."

Der Taxifahrer hatte bei einem früheren Gerichtstermin ausgesagt, er sei mit Zschäpe zum Bahnhof gefahren, wo sie dann zwei Männer abgeholt habe. Dann sei es zurück in jene Straße gegangen, in der das Trio wohnte. Die Ermittler hatten bis dahin gemutmaßt, Zschäpe könne mit der Bahn zu einem Unterstützer nach Niedersachsen gereist sein.

Erst auf Nachfrage eines Nebenklage-Anwalts stellte sich zudem heraus, dass die Zwickauer Taxizentrale Zschäpes mutmaßlichen Bestellanruf mitgeschnitten hatte. Das war bis dahin nicht bekannt. Wo sich der Telefonmitschnitt befindet, wusste einer der als Zeugen aufgetretenen BKA-Beamten nicht zu sagen.

Zschäpe muss sich im NSU-Prozess unter anderem für zehn Morde verantworten, die die Bundesanwaltschaft dem NSU vorwirft.

hut/dpa